Warum müssen die Schulen für Corona zahlen? Wir verlangen die Finanzierung von Pandemie-Maßnahmen aus separaten Budgetmitteln!

ÖLI macht Schule!

5.7.2020

Finanzierung von pandemiebedingten Maßnahmen an österreichischen Pflichtschulen

 

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Dr. Faßmann!

 

Anlässlich der Planungen für das kommende Schuljahr 2020/21 haben viele Lehrer*innen in den Pflichtschulen besorgt über die Verteilung der Ressourcen nachgedacht.

 

In regelmäßigen Abständen können wir Presseberichten entnehmen, dass es im APS-Bereich an Lehrer*innenstunden sowie an Supportpersonal mangelt und dass viele Standorte nur mühsam die pädagogische Arbeit in sinnvoller Weise organisieren können. Auch an unseren eigenen Schulen sind die Mängel vielfach spürbar.

 

Vor diesem Hintergrund halten wir es für unbedingt notwendig, dass Maßnahmen, die aufgrund der CoronaPandemie zusätzlich erforderlich erscheinen, separat budgetiert werden.

 

Es war allgemein wahrnehmbar, dass Lehrer*innen in Krisenzeiten in besonderem Ausmaß um ihre

Schüler*innen bemüht waren und sich für gute pädagogische Betreuung engagiert haben. Ein solches

Engagement stößt aber an Grenzen, wenn der Personalmangel immer öfter Notlösungen erfordert.

In vielen Wirtschaftsbereichen wurden Mittel zur Verfügung gestellt, damit die Mehrkosten, die durch diese

spezielle Situation entstanden, finanziert werden können.

 

Wir möchten Sie nachdrücklich auffordern, dieselben Maßstäbe auch für den Pflichtschulbereich

anzuwenden. In außerordentlichen Zeiten bedarf es außerordentlicher Maßnahmen und Finanzierungen.

Ermöglichen Sie den österreichischen Pflichtschullehrer*innen, professionell zu arbeiten! Stellen Sie eine

transparente Ressourcenverteilung und separate Budgetierung von pandemiebedingten Maßnahmen sicher!

 

Sorgen Sie dafür, dass Bildungsangebote für den Sommer unabhängig von den Ressourcen für das jeweilige Schuljahr finanziert werden.

 

Für die ÖLI-UG

Barbara Gessmann-Wetzinger, Vorsitzende, APS Tirol

Renate Brunnbauer, Peter Novak, Reinhard Resch, Franz Kaiser, APS Oberösterreich

Monika Wölflingseder, David Lahmer, APS Salzburg

Gaby Bogdan, Claudia Astner, Gertrude Mayerhofer, Sylvia Ochmann, APS Wien

Franz Bickel, Vorstandsmitglied UBG, Vorarlberg

Oskar Smetana, APS Kärnten

Christoph Mauracher, Magdalena Vergeiner, Angelika Stern, Klaus Feichter, Claudia Müller, APS Tirol

Hans Stipsits, APS Steiermark

 

Kontakt: Barbara Gessmann-Wetzinger, 0676 3419435, b.wetzinger@tsn.at

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Ressourcen transparent und separat finan
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Hannah Arendt: Ich selbst, auch ich tanze. Die Gedichte, rezensiert von I.Seifried

Cover: Verlag Piper 2015
Cover: Verlag Piper 2015

Hannah Arendt: Ich selbst, auch ich tanze

Die Gedichte

160 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Piper 2015

€ 20,60

EAN 978-3-492-05716-5

 

Hannah Arendt. Berühmt wurde sie durch ihre Analysen und glasklaren Formulierungen, ihre eindeutige politische Haltung und dass sie auch Konflikte nicht scheute. Sie wurde 1906 in Hannover geboren und starb 1975 in N.Y.

 

2012 wurden im neuen Wiener Stadtteil Seestadt Aspern eine Parkanlage (Hannah-Arendt-Park) sowie eine Verkehrsfläche (Hannah-Arendt-Platz) benannt.

 

2015 erschien zum ersten Mal ein Lyrikband von Arendt mit 71 Gedichten. Sie, die Bücher und Essays verfasst hatte, hatte auch Gedichte geschrieben? Das macht neugierig. Welche Art von Gedichten sind das?

 

„Nur von den Dichtern erwarten wir Wahrheit, nicht von den Philosophen, von denen wir Gedachtes erwarten“. Von vielen wird sie als Philosophin bezeichnet. Doch diese Zuschreibung lehnte sie ab.

 

Im Interview (am 28.10.1964 im rbb Günter Gaus[1]) sagte sie damals: „Mein Beruf — wenn man davon überhaupt noch sprechen kann — ist politische Theorie. Ich fühle mich keineswegs als Philosophin. Ich glaube auch nicht, daß ich in den Kreis der Philosophen aufgenommen worden bin, wie Sie freundlicherweise meinen. Aber wenn wir auf die andere Frage zu sprechen kommen, die Sie in der Vorbemerkung anschnitten: Sie sagen, es ist Iandläufig eine männliche Beschäftigung. Das braucht ja nicht eine männliche Beschäftigung zu bleiben! Es könnte ja durchaus sein, daß eine Frau einmal eine Philosophin sein wird."

 

Gaus: „Ich halte Sie für eine Philosophin.“

 

Arendt: „Ja, also dagegen kann ich nichts machen, aber meine Meinung ist, daß ich keine Philosophin bin. Ich habe meiner Meinung nach der Philosophie doch endgültig Valet gesagt. Ich habe Philosophie studiert, wie Sie wissen, aber das besagt ja noch nicht, daß ich dabei geblieben bin.“

 

Hannah Arendt hatte bereits als Kind einen starken Bezug zu Gedichten und Balladen. Wie ihr Nachlass zeigt, schrieb sie auch Gedichte, die nun vollständig erschienen. Das schmale Buch enthält editorische Bemerkungen und Informationen zu bisherigen Druckfassungen. Die Überlieferungs- und Druckgeschichte der einzelnen Gedichte wurde von Anne Berrheau erstellt.

 

Irmela von der Lühe, die bedauerlicherweise keine gendergerechte Sprache verwendet, stellt die Gedichte in Bezug zur Autorin: „Die systematischen Versuche des Verstehens, von denen alle Schriften Hannah Arendts zeugen, vollziehen sich als Akte eines Denkens, die aus dem Bruch mit der Tradition entspringen und doch nach Möglichkeiten des Neubeginns und der Fortführung des politischen Denkens suchen.“ Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Verbindung von Denken und Dichten, die Verbindung von Wissenschaft und Kunst.

 

Die Gedichte entstanden über den langen Zeitraum 1923 bis 1961 (Beobachterin am Eichmannprozess) und sind auch von jahrelangen Pausen geprägt. Ein Gedicht zum Trost, ein anderes über einen Traum, eines zum Gedenken an Walter Benjamin, an die Freunde, zu Erich Neumanns Tod und viele ohne Titel. Die Gedichte befinden sich in Briefen oder in ihrem von 1950 bis 1973 geführten „Denktagebuch“.

 

An anderer Stelle sagt Arendt zu Gauss im Interview: „Worauf es mir ankommt, ist der Denkprozeß selber. Wenn ich das habe, bin ich persönlich ganz zufrieden. Wenn es mir dann gelingt, es im Schreiben adäquat auszudrücken. bin ich auch wieder zufrieden. - Jetzt fragen Sie nach der Wirkung. Es ist das — wenn ich ironisch werden darf — eine männliche Frage. Männer wollen immer furchtbar gern wirken; aber ich sehe das gewissermaßen von außen. Ich selber wirken? Nein, ich will verstehen. Und wenn andere Menschen verstehen, im selben Sinne, wie ich verstanden habe — dann gibt mir das eine Befriedigung, wie ein Heimatgefühl.“

 

Auch wenn ihre Lyrik nach literaturwissenschaftlichem Ermessen nicht ihre Begabungsstärke war, so gibt sie doch einen neuen Einblick in ihr anderes Denken und Empfinden. Arendt hatte diese nicht zur Veröffentlichung vorgesehen - oder doch?

 

Bettina Hartz fragt in ihrer Rezension[2] , ob mit diesem Lyrikband Arendt ein Gefallen getan wurde. Diese Frage muss unbeantwortet bleiben. Doch ist nicht gerade eine unbestimmte Enttäuschung nach dem Lesen der Gedichte ein Impuls, dieser Enttäuschung selbst nachzugehen?

 

Welche Funktion hatte das Gedichteschreiben für Arendt? Offenbar eine andere als das Schreiben ihre anderen Texte. Diese schrieb sie erst dann auf, wenn sie die Gedanken fertig gedacht hatte. Die Schreibprozesse, so vermute ich, waren so unterschiedlich wie die Ergebnisse es sind. Sie könnten möglicherweise in dem Sinne verstanden werden, dass sie so verbinden konnte, was sie verbunden wissen wollte.

 

(39) Ohne Titel

Die Gedanken kommen zu mir,

ich bin ihnen nicht mehr fremd.

Ich wachse ihnen als Stätte zu

wie ein gepflügtes Feld.

 

Rezension: Ilse M. Seifried

Mai 2020

http://www.i-m-seifried.at

http://www.das-labyrinth.at

 

[1] https://www.rbb-online.de/zurperson/interview_archiv/arendt_hannah.html

[2] https://www.fixpoetry.com/autoren/literatur/feuilleton/bettina-hartz

 

Coverabbildung: https://www.piper.de/buecher/ich-selbst-auch-ich-tanze-isbn-978-3-492-05716-5

 


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