Pensionssystem - Pensionsdebatte: Beiträge dazu seit 01.01.2016

Beamte gehen 2 Jahre und 9 Monate später in Pension als ASVG, Bauern und Selbstständige                                                     "Experte": „.. sicher das meiste bei den Beamten zu holen“.

Staatssekretärin Sonja Steßl präsentierte die Zahlen des Pensionsmonitoring 2015 für Beamte.

Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter der Beamt/innen stieg auch 2015 und liegt bei 61,2 Jahren (bei Frauen 61,13 Jahre, bei Männern 61,19 Jahre). Prognose: In den nächsten Jahren weiter steigend. Damit gingen die beamteten Bundesbediensteten 2015 annähernd 2 Jahre und 9 Monate später in den Ruhestand als die gesetzlich Pensionsversicherten (ASVG, Bauern, Gewerbetreibende). Im Jahr zuvor war das durchschnittliche Pensionsantrittsalter der Beamt/innen 60,9 Jahre.
2014 hat Steßl das erste Mal ein Pensionsmonitoring durchgeführt. Freiwillig, weil Finanzminister Schelling eine von ihr vorgelegte entsprechende gesetzliche Regelung und damit eine korrekte Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Pensionssysteme verhindert. Die tiefschwarzen Einflüsterer - Bauern und Selbständige - wollen es scheinbar nicht so genau wissen.
Die letzten Pensionsreformen zeigen also vor allem bei den Beamten Wirkung. Die Ursache liegt wohl darin, weil die von der schwarz-blauen Regierung eingeleiteten und in der schwarz-roten Ära weiter betriebenen Pensionsreformen, für die Beamtenpensionssystem die weit größten Verschlechterungen brachten.
Aufgrund dieser Daten könnte man annehmen, dass beim kommende Pensionsgipfel am 29. Februar 2016 weitere Einschnitte und Benachteiligungen der Beamt/innen gegenüber den ASVG, Bauern und Gewerbetreibenden kein Thema sein sollten.

„Kurzfristig ist sicher einmal das meiste bei den Beamten zu holen“

Falsch gedacht, denn laut diepresse.com meint der „Pensionsexperte“ Michael Christl: „Kurzfristig ist sicher einmal das meiste bei den Beamten zu holen“. Er ist Mitglied der Agenda Austria*, die auch bei den Beamtenpensionen in Bund und Ländern eine Durchrechnungszeit von derzeit 28 auf 40 Jahre bereits in den nächsten fünf statt in zwölf Jahren fordern. Was sich spürbar auf die Pensionshöhe auswirken würde und in den nächsten Jahren viele Beamt/innen zum früheren Pensionsantritt (Korridor) aus finanziellen Gründen „zwingen“ würde. Soviel zu Österreichs Pensionsexperten!
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD) wenigsten diesmal ihren Job macht und weitere Benachteiligungen der Beamt/innen nicht akzeptiert. Von Neugebauer (ÖVP) und Co war jedenfalls kein wirklicher Verhinderungswille der bisherigen Kahlschläge der Beamtenpension erkennbar – ganz im Gegenteil.

 

24.02.2016

Quelle: Monitoring der  Beamtenpensionen im Bundesdienst 2016
Quelle: Monitoring der Beamtenpensionen im Bundesdienst 2016

* Die Agenda Austria ist ein privater Verein, der sich durch private Quellen (meist Unternehmen) finanziert und laut Eigen-definition ein „Thinktank …. mit dem Ziel, dieses Land in gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderun- gen zu liefern“. Die Mitarbeiter werden ab und an von der Presse als „Experten“ befragt.



Pensionsgipfel: Bernhard Achitz (ÖGB): Arbeitsmarktlage beachten!

ÖGB-Achitz: Pensionsgipfel zum Konjunktur- und Beschäftigungsgipfel machen (OTS)
Rekordarbeitslosigkeit: Menschen brauchen Jobs, wenn das faktische Pensionsalter steigen soll
Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, fordert anlässlich der aktuellen Arbeitsmarktdaten: „Die dramatische Lage auf dem Arbeitsmarkt darf die Bundesregierung auch beim Pensionsgipfel am 29. Februar nicht ignorieren“. Deshalb müsse der Pensionsgipfel ein Konjunktur- und Beschäftigungsgipfel sein, weil „alle edlen Gedanken darüber, wie wir es schaffen können, das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, sind völlig sinnlos, wenn es keine Arbeitsplätze gibt“, so Achiz.
Achiz nimmt nicht nur die Politik in die Pflicht, sondern stellt auch Forderungen an die Unternehmen. Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und die Arbeitsorganisation müssen so gestaltet werden, dass für ArbeitnehmerInnen in jedem Lebensalter die belastungs- und beanspruchungsoptimale Ausführung der Arbeit gewährleistet ist. Achitz: „Die ArbeitnehmerInnen können nur dann länger arbeiten, wenn sie dazu körperlich und psychisch in der Lage sind.“ Und dafür müssen die Unternehmen sorgen.
Ein erster Schritt wäre, dass Arbeitgeber endlich „damit aufhören, Menschen mit spätestens 45 Jahren als unvermittelbar zu betrachten“, fordert Achitz.
Wie zu erwarten hat die Industriellenvereinigung diese ÖGB-Forderungen umgehend zurückgewiesen. Aus dieser Richtung darf wieder einmal keine Bewegung zur Vernunft erwartet werden.

 

08.02.2016

G.Pedrazzoli
G.Pedrazzoli


Österreichs Pensionssystem ist gut aufgestellt und zukunftstauglich!

Eine faktenorientierte Diskussionsunterlage
Eine Analyse von Dr. Norbert Schnedl
Norbert Schnedel, Bereichsleiter Dienstrecht in der GÖD, stellt in seiner fundierten Analyse (> GÖD) dem, in der letzten Zeit vermehrt öffentlich geäußerten Unsinn über die Entwicklung des Pensionssystems, Fakten gegenüber. „Öffentliche Äußerungen von sog. „Pensionsexperten“ über die zukünftige „Unfinanzierbarkeit“ des Pensionssy- stems und daraus resultierender sofortiger Änderungsbedarf sind interessensgeleitet (Industriellenvereinigung, WKO, Agenda Austria (IV-nahe) etc.) bzw. einem oberflächlichen Zugang geschuldet“, so Schnedl.
Schnedl arbeitet die Vorteile der umlagefinanzierten gesetzlichen Pensionsversicherung gegenüber der kapitalgedeckten Systeme heraus. Es braucht „kein angespartes Kapital, das sich am Kapitalmarkt vermehrt oder auch vermindert hat.“ Entgegen der vielen negativen Vorhersagen, bringt die Umlagefinanzierung “ ein soziales Sicherungssystem mit sehr hoher Bestandskraft.“ Seit den 70er-Jahren hat sich die Zahl der PensionistInnen um mehr als die Hälfte erhöht und das Pensionsniveau ist deutlich angestiegen. Und das System hat diesen Kosten-anstieg trotzdem verkraften können. "Dies war und ist deshalb möglich, weil nicht die absoluten Zahlen von Rele- vanz sind, sondern das Produktivitätswachstum, die Systempflege und der politische Wille zur Verteilung."
Außerdem wird von den „Pensionsexperten“ konsequent verschwiegen und in ihren Berechnungen fahrlässig ignoriert, dass die Reformschritte der Vergangenheit Wirkung zeigen. Die öffentlichen Pensionsausgaben werden von 13,9% des BIP im Jahr 2013 bis 2060 um 0,5% steigen. Schnedl:„Ein Anstieg von 0,5 % des BIP über einen Zeitraum von mehr als 45 Jahren soll für eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt nicht verkraftbar sein?“
Die öffentlich immer lauter, von immer mehr unqualifizierten Personen „eingeforderte „große Reform“ ist jedenfalls nicht notwendig. Das behauptete Anliegen, das Pensionssystem für die Jungen zukunftsfit zu machen, entbehrt nicht einer gewissen Kaltschnäuzigkeit. Die geforderten Reformen führen nämlich letztendlich zu erheblichen Kürzungen der zukünftigen Pensionen gerade dieser Jungen. Seriös ist ein solches Agieren nicht“, stellt Schnedl klar.
Resümee von Norbert Schnedl: „Es ist Nonsens, bei einem prognostizierten starken Anstieg der Anzahl von Pensionisten einen Rückgang des Bundesbeitrages einzufordern. Das ist realitätsfern und würde extrem starke Kürzungen der Pensionsansprüche der heute Jungen erfordern. Wenn Budgetknappheit zu Geldbedarf führt, dann sollte die üppige Förderungspraxis der Gebietskörperschaften durchleuchtet werden. Bei den Förderungen und Subventionen für Unternehmen ist Österreich mit Abstand Weltmeister.
Der Anteil der über 60-Jährigen wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen. Pensionsquote und Altenquote müssen sich aber nicht zwangsläufig parallel entwickeln. Um das Ziel einer höheren Beschäftigungsquote der über 60-Jährigen zu erreichen, muss die Wirtschaft bereit sein, ältere Arbeitnehmer auch zu beschäftigen bzw. in Beschäftigung zu halten. Derzeit ist oft das Gegenteil der Fall. Das ist unser wirkliches Problem!“

 

27.01.2016

Die geforderten Pensionsreformen führen letztendlich zu erheblichen Kürzungen der zukünftigen Pensionen der Jungen.
Die geforderten Pensionsreformen führen letztendlich zu erheblichen Kürzungen der zukünftigen Pensionen der Jungen.
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