ÖLI mahnt Lehrergewerkschaften in der GÖD zur Einheit

Je mehr Informationen über die Koalitionsverhandlungen der ÖVP und FPÖ an die Öffentlichkeit dringt, sinken die Hoffnungen gegen null, die schwarz-türkis-blaue Koalition könnte in der Bildungspolitik einen innovativen Weg beschreiten. Nach den noch inoffiziellen Ankündigungen, zum Beispiel das strukturelle Bildungsbudgetdefizit durch interne Sparmaßnahmen abzudecken, müssen die Schulen und das Lehrpersonal mit massiven Belastungen rechnen.
Gewerkschaft gefordert
Die Lehrergewerkschaften sind also gut beraten, sich schon heute nicht nur auf langwierige und schwierige Verhandlungen, sondern auch auf kräfteraubende gewerkschaftliche Maßnahmen, bis hin zum Streik, vorzubereiten. Ein Vergleich der aktuellen Entwicklung mit den aggressiven Attacken gegen die LehrerInnen während der letzten schwarz-blauen Koalition, macht das Eintreten dieses Szenarios leider höchst wahrscheinlich.
Um diesen Anforderungen in den nächsten Jahren gewachsen zu sein, sind vor allem zwei Faktoren entscheidend: Einmal müssen die vier Lehrergewerkschaften in der GÖD - APS, AHS, BMHS und BS – endlich Einigkeit zeigen und gemeinsam eine Linie verfolgen. Und zweitens, müssen sich vor allem die führenden FunktionärInnen der ÖVP affinen Mehrheitsfraktion fcg, aber auch die der SPÖ nahestehenden fsg, von den engen Banden und behindernden Netzwerken lösen.
Die Österreichische LehrerInnen Initiative (ÖLI-UG) und die Unabhängige Bildungsgewerkschaft UBG zeigt vor, wie erfolgreich parteipolitisch unabhängige Gewerkschaftsarbeit funktioniert.
Zweifel an der Fähigkeit zur Einigkeit ...

Zweifel an der Bereitschaft einiger wichtiger Lehrergewerkschafter ist wohl angebracht, wenn, wie zuletzt geschehen, ein AHS-Gewerkschafter (fcg) zwar zurecht vor einer Lehrpflichterhöhung der LehrerInnen an der AHS warnt, aber gleichzeitig darauf hinweist, dass das Teamteaching in der Neuen Mittelschule NMS nicht optimal funktioniere. Dass er mit solchen Äußerungen im Zusammenhang mit drohenden Einsparungen im Bildungsbereich die Sparfantasien in die Richtung NMS lenkte ist wohl nicht überraschend. Vor allem, wenn er dies bereitwillig öffentlich in den Medien zum Besten gibt, wie zum Beispiel im Kurier: Gute Chancen, Geld im Schulsystem freizubekommen, gibt es aber auch in den NMS. Dort gibt es – in den "Schularbeitsfächern" – zwei Lehrer in der Klasse, "Teamteaching". Das funktioniert sehr gut, wenn die Lehrer gut miteinander harmonieren, "aber wenn da zwei Lehrer miteinander arbeiten müssen, die grundsätzlich unterschiedliche pädagogische Konzepte verfolgen, dann funktioniert das schlecht", sagt AHS-Mann Hofer. Mögliche Einsparung, wenn das abgeschafft wird: 170 Millionen Euro.
Dieses Sankt Florian-Priinzip: „… verschon' mein Haus / Zünd' and're an!“ sollte uns große Sorge bereiten, macht es doch die Gewerkschaft zur „lame duck“ im Kampf um Bewahrung und Förderung der Interessen der LehrerInnen.
Schaffen die Lehrergewerkschafter der fcg nicht eine glaubhafte Einigkeit herzustellen, werden alle Lehrer/innen und alle Schulen, egal ob VS, NMS, AHS, BMHS oder BS, die großen Verlierer durch die Bildungspolitik der ÖVPFPÖ Koalition sein.

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Kommentare: 2
  • #1

    Matthias Hofer (Dienstag, 28 November 2017 21:12)

    Liebe Freunde in der ÖLI-UG!

    Bitte einfach den Artikel nochmals lesen und reflektieren, wo ich denn zur Einsparung im NMS-Bereich aufrufe. Sätze, die ganz eindeutig keine Zitate von mir sind, mir unterjubeln zu wollen und damit fraktionelles Kleingeld zu wechseln, ist dann doch wieder ganz alter untergriffiger Politstil.

    Nur zur Klarstellung: Keinesfalls habe ich im Gespräch mit dem Kurier-Jornalisten oder auch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt davor behauptet bzw. gefordert, dass im NMS-Bereich gespart werden solle. Im Gegenteil. Ich habe großen Respekt vor der zum Teil sehr schwierigen Arbeit der NMS-Kollegen, zumal meine Eltern und mein Bruder ebenfalls im Bereich der APS arbeiteten bzw. noch arbeiten.

    Und ja, Sorgen muss man sich in der Tat über solche Postings machen, denn genau diese Art der "Öffentlichkeitsarbeit" lässt Uneinigkeit zwischen den Lehrergruppen bzw. den Fraktionen erkennen und bietet die ideale Gelegenheit für Keiltreiberei des Dienstgebers. Cui bono?

  • #2

    Redaktion ÖLI (Mittwoch, 29 November 2017 12:34)

    Lieber Kollege Hofer
    Bitte den Artikel "ÖLI mahnt Lehrergewerkschaften in der GÖD zur Einheit" nochmals lesen und reflektieren. Da steht niergends, dass Sie direkt zu Einsparungen im NMS-Bereich aufrufen, ABER dass "mit solchen Äußerungen im Zusammenhang mit drohenden Einsparungen im Bildungsbereich die Sparfantasien in die Richtung NMS" lenkt, wohl nicht überraschend sei." Uns in diesem Zusammenhang Untergriffigkeit vorzuwerfen, ist nicht korrekt.
    In unserem Artikel wurde einzig ein Auszug aus dem Kurier zitiert, in dem Ihre Zitate klar erkennbar unter "" gesetzt sind.
    Es freut uns, dass Sie "großen Respekt vor der zum Teil sehr schwierigen Arbeit der NMS-Kollegen" haben. Und wenn sich das in Iherer Gewerkschaftsarbeit wiederspiegelt, trägtb das sicher zur Stärkung der LehrerInnengewerkschaft bei.