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Gerald Hüther: Von der Stressforschung über die Pädagogik zur Demenz.

Produktlebenszyklus   Grafik:spagra
Produktlebenszyklus Grafik:spagra

Wer schnell Experte/Expertin werden will und von Bücherverkäufen und Vortragsgagen leben will, muss strategisch denken wie ein Unternehmer.

 

Kommentar von Manfred Sparr

 

Ihre Produkte sind Themen, die aktuell viele Menschen interessieren, also in den Medien stark präsent sind und stark emotionalisieren. Ein gutes Marketing macht sie/ihn dann zur/m Expertin/Experten, ansprechend inhaltlich gestaltete Bücher und Vorträge – was die Mehrheit eben versteht und gerne hören mag - vollmundig präsentiert, eine perfekte Distribution und nachfrageorientierte Preisgestaltung sorgt für volle Kassen. Aber wie jede/r Kauffrau/Kaufmann weiß, unterliegen alle Produkte, Dienstleistungen, Märkte oder Strategische Geschäftseinheiten einem mehr oder weniger langen Produktlebenszyklus (siehe Grafik). Wenn die „Cash Cow“, der einstmalige „Star“, zum „Poor Dog“ mutiert, muss ein neues Thema her. So wird der ehemalige Stressforscher von heute auf morgen vom Bildungs- zum Demenzexperten (Hüther) oder Sterbeexperten (Salcher). Alles eine Frage des Marketings.

Gerald Hüter versucht sich als Demenzexperte

Neben seiner Bildungsexpertentätigkeit („Cash Cow“) versucht sich Gerald Hüther neuerdings auch als Demenzexperte („Star“). Das Erstlingswerk des Quereinsteigers – man nennt sie auch Trittbrettfahrer - zu diesem Thema „Raus aus der Demenzfalle!“ ist 2017 im Arkana Verlag erschienen und verkauft sich hervorragend (Spiegel Bestseller).

In der Fachwelt hingegen kommt der Neodemenzexperte nicht gut an.

„Gerald Hüther lockt den Leser mit vollmundigen Versprechen“, meint Gerhard Roth, Professor für Verhaltenspsychologie und Entwicklungsneurobiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen, in seinem Artikel „Der Demenz Paroli bieten?!“ in Psychologie Heute (Mai 2018, Seite 88 f) über Hüthers neues Buch. Für ein solch wichtiges Thema findet Roth es „bedauerlich und befremdlich zugleich“, wenn Hüther in seinem Buch freimütig bekennt, dass er kein Experte auf dem Gebiet der Demenzforschung sei und „auch nicht über einschlägige Erfahrungen bei der Behandlung demenzieller Erkrankungen“ verfüge.
Eine lesenswerte, sehr interessante und fundierte Rezession. Beispielhaft sei hier der letzte Absatz des Artikels zitiert:
Kurzgefasst: Einige Empfehlungen Hüthers zur Prävention von Altersdemenz wie eine gesunde Lebensführung, Optimismus und geistige Anstrengung sind in Maßen wirksam, wenn sie früh genug eingesetzt werden, am besten noch vor dem Auftreten der ersten Demenzanzeichen. Das ist der Pferdefuß bei der Sache. Ansonsten ist das schmale Büchlein ein Musterbeispiel für pseudo- oder gar antiwissenschaftlichem Messianismus, der leider sehr verbreitet ist.
Leider weit verbreitet vor allem auch im Bildungsbereich.

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