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Fassmann: Der Wissenschaftler, dem die Wissenschaft so was von egal ist.

„Sie wünschen, wir spielen!“ Wie das „Pädagogik Paket 2018“ zustande gekommen ist   Bild:spa
„Sie wünschen, wir spielen!“ Wie das „Pädagogik Paket 2018“ zustande gekommen ist Bild:spa

„Sie wünschen, wir spielen!“

Wie das „Pädagogik Paket 2018“ zustande gekommen ist

Irgendwo zwischen Glosse und Kommentar von Peter Steiner

Keine Spur von wissenschaftlicher Begründung trübt das „Pädagogik Paket 2018“. Statt auf wissenschaftlicher Beweisführung zu gründen wird die Zukunft der Schulkinder in die bewährten Hände des „gesunden Volksempfindens“ gelegt. Nach Aussagen des Uni-Professors und derzeitigen Bildungsministers Fassmann wählen sie sich einfach ins Ministerium durch oder schreiben E-Mails und, voilá, es gibt wieder Ziffernnoten und Sitzenbleiben in der Volksschule und Leistungsgruppen in der Haupt-, pardon, jetzt Mittelschule. Wissenschaft wurscht!

Wie sehr die Maßnahmen retro sind, zeigen die Aussagen von österreichischen BildungswissenschaftlerInnen, unter anderem Bernhard Hemetsberger von der Uni Wien im Interview mit dem Online-Standard am 9. Oktober 2018. Die Notendebatte sei bereits seit den 1990ern wissenschaftlich abgeschlossen. Resümee: Noten sagen nichts über die Entwicklungsfähigkeiten aus und gar wenig über die Leistung des Kindes an sich.

(vgl. derstandard.at: "Kritik an neuem Schulgesetz - Spaetstarter kommen unter die Räder?)

Die Noten sind bequem,
drum wollen wir sie gerne sehen!

Noten sind aber bequem. Nicht für die Kinder, für die sind sie eher eine Belastung aber für all jene, die schnell und ohne lang nachdenken und lesen zu müssen, ein Kriterium für eine schnelle Einschätzung brauchen: Das sind für mich Tanten, Onkeln, sogenannte „BildungspolitikerInnen“ und selbsternannte und dann fremdgesteuerte „Bildungsexperten“ und Schullaufbahnplaner. Die können an den Noten nämlich schnell ablesen, ob Förderkurse, Sonderschulen, Spezialschulen etc. eingerichtet werden sollen, ob das Rohrstaberl, die Scheiter zum Knien oder fest in den Boden verschraubte Tische und Sessel wieder fixer Bestandteil der „Lehrmittel“ und Schuleinrichtung werden sollen. Und wer schulstagelt oder unter diesen Bedingungen leider auf der Strecke bleibt, für steht immer noch ein Spinnrad im kommunalen „Arbeitshaus“ bereit.

Wirtschaftlicher Nebeneffekt: Die österreichische Spinn-Industrie kann mit Ländern wie Indien, Bangladesch, Vietnam etc. wieder konkurrieren.

Übrigens: Die Telefonnummer des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft ist 01/ 53120-0 und zum Entwurf des „Pädagogik Paket 2018“ kann man über die Parlamentshomepage seine Einschätzung abgeben und so an der Begutachtung teilnehmen. Der Herr Bildungsminister hört Ihnen gerne zu, solange Sie nicht allzu wissenschaftlich werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Josef Gary Fuchsbauer (Mittwoch, 10 Oktober 2018 22:57)

    Ui, der is aber scharf. Aber weniger scharf geht's in diesem Fall nicht. Danke, Peter.