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Digitalisierung versus Menschenbildung

Bild:spagra
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Eine Analyse von Beate Halbeisen

 

Christoph Kucklick beschreibt in seinem Buch „Die granulare Gesellschaft“ wie der Mensch nach und nach seine Alleinstellungsmerkmale an Maschinen abgeben muss. Über Jahrzehnte haben Wissenschaftler und Philosophen versucht zu formulieren, was dem Menschen Singularität verleiht, was ihn von der Maschine unterscheidet. Nach und nach muss der Mensch jedoch erkennen, dass seine hirnzentrierte Selbstverherrlichung, die Descartes treffend mit „cogito ergo sum“ formulierte, in einen Konkurrenzkampf mit Computern mündet, da Maschinen immer öfters Bereiche perfekter und schneller erledigen, als es der Mensch kann.


Selbst wenn diese These in vielen Bereichen zutreffend sein mag, so ist es dennoch auch eine Tatsache, dass Maschinen und Roboter momentan nur Dinge erledigen können, die algorithmisierbar sind. Vielleicht behält der Mensch letztendlich seine Einzigartigkeit deshalb, weil er fehlbar – also menschlich ist. Wenn wir uns, wie Kucklick beschreibt, im Anthropozän befinden, also im Zeitalter, in dem der Mensch die Umwelt formt, so müssen wir sicherlich lernen, dass diese Umwelt, die wir formen, uns so manche Kränkungen insofern zufügen wird, als dass wir erkennen, dass Irren menschlich ist und Perfektion und Geschwindigkeit in manchen Bereichen den Maschinen überlassen bleibt. Als Optimist könnte man in dieser Entwicklung sicherlich auch wieder eine Chance sehen, uns weg von Perfektionismus und Output-Maximierung hin zu Wesen zu entwickeln, die in ihrer Flexibilität, Kreativität und Spontaneität insofern noch über den Maschinen stehen, als dass sie unberechenbar und fehleranfällig menschlich bleiben. Auch Empathie und soziale Bindungen müssten wieder mehr im Fokus unserer „Menschenbildung“ stehen.

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