· 

Schulen unvorbereitet für den Umgang mit traumatisierten Kindern aus Kriegsgebieten

Bild:spagra
Bild:spagra

UNESCO fordert soziale und psychologische Unterstützung

an den Schulen und Ausbildung für Lehrende

von Peter Steiner

Nach acht Jahren Krieg im Irak und Syrien ist die Zahl der Flüchtlingskinder  im Schulalter um 26% gestiegen und das überfordert die Schulsysteme in Europa und in der Welt. Ein heute von der UNESCO anlässlich des Weltflüchtlingstages veröffentlichte Bericht des Global Education Monitoring (GEM) führt die Situation drastisch vor Augen.

Am verwundbarsten sind die Kinder.
Mindestens 30%  der Flüchtlingskinder sind vom Krieg traumatisiert. Die Schulsysteme sind darauf nicht vorbereitet. Den Lehrenden fehlt die Ausbildung für den Umgang mit Kriegstraumatisierten und den Schulen (nicht nur für diesen Fall ) psychologische und soziale Unterstützungspersonal an den Standorten. Das führt zu nicht zu lösenden Konflikten in der Klasse.

„Sehr oft realisieren die Lehrer nicht, dass traumatisierte Kinder nicht lernen können wie alle anderen“, erklärt Jenny Caroline Herbst, eine Lehrerin in einer „Willkommens Klasse“ in Deutschland. „ Da ist der eine Bub, der im Irak gefangen gehalten wurde – immer, wenn ich ihn lauter anrede, läuft er davon und kommt nicht wieder zurück!“

Lehrende sind kein Ersatz für echte Spezialisten
„Lehrer und Lehrerinnen können niemals Spezialisten für mentale Gesundung von traumatisierten Kindern sein und man soll auch gar nicht versuchen, sie dazu zu machen. Aber sie können eine entscheidende Rolle für die Schülerinnen und Schüler spielen, die unter Kriegstraumata leiden!“ sagt der Herausgeber der GEM-Studie Manos Antoninis. „Wenn sie die richtige Ausbildung und Unterstützung erhalten!“

Rund 89% der Lehrer*innen in Europa haben mindestens ein traumatisiertes Kind in der Klasse. Dennoch fehlt es an Aufklärung, Ausbildung und Ressourcen.

Fünf Bedingungen zum Umgang mit Kriegstraumata
Die GEM-Studie führt fünf Bedingungen an, unter denen traumatisierte Kriegskinder lernen können. Erstens, Die Lernumgebung muss sicher, anregend und offen sein. Zweitens müssen die Lehrenden eine spezialisierte Ausbildung bekommen.

Psychosoziale Betreuung – wir sind bei drittens – braucht die Zusammenarbeit von Schule, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Viertens ist besonderes Fingerspitzengefühl und eine Anpassung an die individuelle Bedürfnisse nötig, damit ein soziales und emotionales Lernen gelingt. Fünftens geht nur wenig ohne die Einbindung der Eltern und den Menschen in der Gemeinde.

Staune, weine, engagiere dich.
Und wie immer, wenn ich so eine Pressemeldung lese, denke ich an die Realität in unseren Schulen: Keine Schulpsychologinnen und –Sozialarbeiter. Keine Ratschläge für den Umgang mit traumatisierten Kindern – und das müssen nicht einmal Flüchtlinge sein. Zu große Klassen und zu wenig Mittel.

Und wenn ich die Meldung oder den Artikel lese, staune ich, was alles möglich wäre. Zugleich weine ich über siehe oben. Und drittens werde ich wütend und weiß, warum ich in der ÖLI-UG bin. Weil uns diese Dinge so gar nicht gleichgültig lassen und weil wir Veränderungen und Verbesserungen  fordern. Weil wir uns nicht mit dem schlechten Gewohnten zufrieden geben wollen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0