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UNESCO-Welttag der Lehrer*innen: "Wir wollen keine Sklaventreiber*innen auf der Prüfungsgaleere sein!"

Bild von PS unter Verwendung der Quelle hutschinetto is licensed under CC BY-SA 2.0
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So darf es nicht mehr weitergehen! Die Schule geht kaputt, als Arbeitsplatz der Lehrer*innen und Ort der Entwicklung unserer Kinder. Schuld sind nicht die Lehrer*innen, ob wohl sie die ersten sind, die von der Politik für das Scheitern verantwortlich gemacht werden.

 

Wir von der ÖLI-UG fordern Euch auf: Macht Dienststellenversammlungen! Protestiert gegen die Verschlechterungen im Bildungswesen! Steht für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf und bleibt stehen! An eurem "Wochentag for Future"!

 

ÖLI-UG: Weltlehrertag verlangt Besserung der Arbeitsbedingungen!!

Das Ziel des Weltlehrertags erscheint vor der aktuellen Situation wie Hohn: "Auf die verantwortungsvolle Aufgabe von Lehrer[*innen, Anm. des Autors] aufmerksam zu machen und das Ansehen der Lehrer[*innen] weltweit zu steigern." Die von der UNESCO in Zusammenarbeit mit der ILO (International Labour Organization) 1966 erstellte Charta sollte eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lehrvorausssetzungen bringen, nicht ihr Gegenteil.

 

Mittelkürzungen demotivieren alle!

Schuld sind nicht die Lehrer*innen, ohne ihr Engagement und ihre Zuneigung zu den Schüler*innen, die Bildung überhaupt noch möglich machen. Schuld sind nicht die Lehrer*innen sondern diverse Politiker*innen, die in Verkennung der Realität irgendwelche Reformen durchziehen wollen ohne die notwendigen Mittel bereitzustellen bzw. die vorhandenen Mittel noch kürzen.

 

Tests und Testungen können Pädagogik nicht ersetzen. "Wir wollen keine Sklaventreiber auf der Prüfungsgaleere sein!"

Wie kann man alle möglichen Testungen von "Poldi" bis PISA und Prüfungsvorschriften einführen, die wegen des Zeitaufwandes ein Unterrichten gar nicht mehr zulassen? Wie kann man gesetzlich verbindliche Teilungs- und Klasseneröffnungsvorschriften ersatzlos aufheben, weshalb bis zum Bersten volle Klassen entstehen, die die Situation noch verschärfen? Wie kann man gleichzeitig mit den verschiedensten Tricks die Stundenzuteilung an die einzelnen Schulen verringern, dass an notwendige Teilungen in Englisch oder Freigegenstände kaum mehr zu denken ist?

 

Inkompetenz und Versagen der Verwaltung

Zugleich ein Durcheinander im Zuge der Einführung der Bildungsdirektionen, sodass die Lehrer*innen nicht mehr wissen, an wen sie sich um Unterstützung wenden können, und wenn sie es erfahren, an für ihre Fragen völlig inkompetente Menschen geraten. Wenig Arbeitsmaterial durch den Arbeitgeber Bund, der erwartet, dass wir das Fehlende, vom Computer bis zu Papier und Stift, selbst beistellen müssten. Tischarbeitsplätze von 40 mal 40 cm, die den Vergleich von Konferenzzimmern mit Legebatterien zulassen.

 

Gewerkschaft ist ein Beschwichtigungsverein: "Es hätte doch schlimmer kommen können, nicht?

Endlos könnte man das fortsetzen und endlos könnte man sich wundern, dass wir Lehrer*innen uns das so gefallen lassen. Wir lassen uns das gefallen, weil unsere konservative Gewerkschaft, ob ÖVP oder SPÖ-nahe, im Zweifelsfall immer mit der gerade regierenden eigenen Partei mitgeht und Proteste unterdrückt.

 

Was nützt es da, wenn Dieter Reichenauer (FCG) im "Weg in die Wirtschaft"*) den Welttag und das berufsbildende Schulwesen preist aber null auf die gegenwärtige Situation der Rückschritte in der Pädagogik, der sich verstärkenden Mangelsituation und Überladung mit Bürokratie hinweist, geschweige denn dagegen protestiert. (Im Übrigen, wie viel die absolut FCG-dominierte BMHS-Sektion den Welttag schätzt, zeigt sich daran, dass der Tag zwar Thema der Titelseite ist, im 32-seitigen Blatt dann aber halbseitig auf Seite 27 sein Dasein fristen muss.)

 

Und was nützt die harsche Kritik des sozialdemokratischen Pflichtschulvertreters Thomas Bulant an der Bürokratisierung, wenn weder die FCG noch die FSG/SLÖ gegen die Bildungsminister*innen ihrer Parteien energisch auftreten und die Kolleg*innen zu Widerstand aufrufen und organisieren. Von ÖVP-Ministerin Gehrer bis zu SPÖ-Ministerin Hammerschmied galt an der Realität orientierter Pädagogik gar nix und unausgegorene Theorie alles. Und den Schlamassel haben wir jetzt.

 

PS

 

*) "Weg in die Wirtschaft" ist das Organ der Gewerkschaftsektion der BMHS-Lehrer*innen

 

Quellen:

UNESCO

Weg in die Wirtschaft 4/2019, Nr. 677

OTS

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