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Tanja Schlie: Wo Frauen ihre Bücher schreiben. Eine Ilse M. Seifried-Rezension.

Bild: Thiele Verlag 2014
Bild: Thiele Verlag 2014

Portraits einer Autorin, ob gemalt oder fotografiert, zeigen diese manchmal an ihrem Arbeitsplatz. Wie der Schreibprozess detailliert eines konkreten Werkes ablief, interessiert Leser*innen meist weniger als Akademiker*innen.

 

Daher ist es eine gute Idee, der Frage nach zu gehen, an welchen Orten und Plätzen und unter welchen Rahmenbedingungen Autorinnen schrieben, was sie brauchten bzw. als hinderlich empfanden.

 

Das Vorwort verfasste Elke Heidenreich prinzipiell gut einstimmend. Irritierend jedoch ihre Frage, ob für die richtige Schreibatmosphäre für Frauen eher Blumen wichtiger sind als das Glas Bier für Männer, ohne bei dieser Fragestellung den Gender Aspekt zu hinterfragen! Wenn Heidenreich die Texte der Autorin Schlie gelesen hätte, dann wüsste sie, dass diese Frage allein manche der Autorinnen zornig gemacht hätte und auch ad absurdum führt. Ebenso irritierend ist, dass sie meint, dass manche Frauen auf ihrem Schreibtisch das Foto des (!) Geliebten brauchen – nicht jedoch das Foto der (!) Geliebten nennt! Somit bleibt sie in alten Rollenklischees verfangen und enttäuscht diese Einstimmung.

 

Wie geht Tania Schlie mit dem Aspekt Gender um?

»Wir lernen Autorinnen kennen, die ohne zu schreiben nicht leben können (Ingeborg Bachmann), solche, die durch das Schreiben ein großes Unglück verarbeiten (Isabel Allende) oder ihrem ereignislosen Leben entfliehen (Jane Austen), aber auch jene, die ihre Bücher am Herd konzipieren und schreiben, um Geld für die Renovierung des Hauses zu verdienen (Agatha Christie).«, meint Tania Schlie allgemein zu ihrem Buch.

 

Sie wurde 1961 geboren, studierte Germanistik und Politik in Hamburg und Paris und arbeitete als Verlagslektorin ehe sie selbst zu schreiben begann (z. B: Frauen am Meer und Frauen im Garten).

Schlie gelingt eine gute inhaltliche Einführung. Gender an sich wird von ihr nicht thematisiert.

 

Gegenwärtig, wo das dritte Geschlecht rechtlich anerkannt wurde, sollte schon eine kurze Reflexion inkludiert sein, damit die Leser*innen angeregt werden, zu fragen: Warum sollen Menschen nach wie vor in Geschlechter eingeteilt werden? Sex ist Gender. Wer profitiert von der Einteilung Frau / Mann und welche Machtverhältnisse werden so weiterhin zementiert?

 

In den nachfolgenden Texten streicht Schlie pointiert die ihr wesentliche erscheinenden Aspekte jeder Autorin hervor, baut Zitate der Autorinnen ein und auch Zitate über diese.

 

Sie strukturiert das Buch in 9 Kapitel und fügt am Ende eine überschaubare Auswahlbibliographie hinzu.

 

Es werden 50 Autorinnen präsentiert. Die älteste lebte im 18. Jht., die jüngste ist eine Zeitgenossin. Die eine schrieb ihre Bücher an einem Kaffeehaustisch, weil es zu Hause zu kalt war, andere am Küchentisch oder im Bett u.a.m. Schreibmaterial waren früher gespitzte Federn wie es heute moderne Laptops sind. Manche schrieben immer alles mit der Hand, ehe der Text selbst oder von anderen abgetippt wurde. Das Spektrum ist eines der unendlichen Möglichkeiten. All das zu lesen ist faszinierend.

 

Die zahlreichen Illustrationen beschreibt und interpretiert Schlie und lässt doch so viel Raum, dass die Leser*innen sich selbst ihr Bild machen können.

 

Es ist eine Kunst, auf wenige Textzeilen beschränkt, Autorinnenleben zu skizzieren. Impulse zum Weiterlesen zu geben. Tania Schlie ist ein gutes Buch gelungen!

 

Sept. 2019

Rezension: Ilse M. Seifried

http://www.i-m-seifried.at

http://www.das-labyrinth.at

 

Tania Schlie: Wo Frauen ihre Bücher schreiben

Mit einem Vorwort von Elke Heidenreich

240 Seiten, gebunden

zahlreiche vierfarbige Fotos

und vierfarbig gedruckt

Thiele Verlag 2014

€ 25,70

ISBN: 978-3-85179-194-5

 

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