· 

Der Matura-Fahrplan: Mehr Fragen als Klarheiten

Mehr Fragen als Klarheiten wirft der Fahrplan des Bundesministeriums für die Matura 2020 und die Lehrabschlussprüfung auf, sagt Gerhard Pusnik, Fa-AHS-Obmann Vorarlberg.

 

Der neue „Fahrplan Zentralmatura und Berufsschulabschluss Schuljahr 2019_20"

 

„Der Unterricht für Maturaklassen beginnt am 4. Mai 2020. Die Maturantinnen und Maturanten erhalten dann drei Wochen lang gezielte Vorbereitung an den Schulen.“

 

Fragen:

  • In diesen 3 Wochen findet in der Schule nur die Vorbereitung auf die schriftliche Matura statt?
  • Die anderen Gegenstände werden alle schon vorher abgeschlossen sein?
  • Sind alle Schüler*innen einer Klasse in einem Raum oder werden die Schüler*innen auf zwei und mehrere Räume aufgeteilt?
  • Praktischerweise wird es Blockunterricht geben, was machen die LuL, die die SchülerInnen auf die Maturaklausuren vorbereiten mit ihren anderen Klassen? Weiterhin parallel Online-Unterrichten?
  • Lehrer*innen, die zu einer der Risikogruppen gehören, werden weiterhin ihre Maturaklasse im Fernunterricht betreuen?

„Schülerinnen und Schüler, die einer Risikogruppe angehören, werden weiterhin via Distance-Learning betreut."

 

Fragen:

  • Die Lehrer*innen bereiten ihre Klasse in der Schule vor und anschließend im Fernunterricht die Schüler*innen, die einer Risikogruppe angehören?
  • Bedeutet das dann auch, dass „Lehrerinnen und Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, arbeiten weiterhin via Distance-Learning."
  • Was ist mit älteren Kolleg*innen, die zwar vielleicht selbst grad noch nicht in der Risikogruppe sind, aber einen Lebenspartner in dieser haben? Gehen diese Lehrer*innen dann nach jedem Unterrichtstag in der Schule 14 Tage in freiwillige Quarantäne?

 

„Die mündliche Matura entfällt, es sei denn, ein Kandidat/eine Kandidatin wünscht, dass er/sie in einem oder mehreren Gegenständen mündlich geprüft wird".

 

Frage:

  • Wie kann verhindert werden, dass übereifrige Schulleitungen die jungen Leute motivieren, in jedem Gegenstand, in dem „die Note des letzten Schuljahres [=] die Maturanote“ nicht „Sehr gut“ war, sich zur mündlichen Matura anmelden?
  • Zwischenfrage: Die Bezahlung der Abschlussklassen läuft bisher so, als ob deren Unterricht Anfang Mai endet. Bisher hab ich noch nirgends gelesen, dass das Unterrichtsjahr der Abschlussklassen verlängert wird. Wird es? Wenn nicht: Ist dann der Unterricht ab 4. oder 5. Mai bezahlungsmäßig so wie die Maturavorbereitung, die normalerweise auf die mündlichen Fächer erfolgt, nur diesmal auf die schriftlichen? (Allerdings klingt die Beschreibung nach viel mehr Unterricht.) Was aber ist, wenn jemand auch mündlich maturiert: Sind dann auch die Vorbereitungsstunden dafür zu halten?

„04.05. bis 15.05.2020: Möglichkeit von Leistungsfeststellungen vor Ort:

Schüler*innen sollen in dieser Phase in jenen Fächern, in denen dies notwendig ist, Leistungsfeststellungen an den Schulen absolvieren können (z.B. schriftliche Leistungsfeststellungen). Dies ist vor allem für jene Schüler*innen wichtig, die noch eine positive Note erreichen müssen, um zur Matura anzutreten."

 

Frage:

  • · Heißt das, dass nur drohende Nichtgenügend zu Prüfungen berechtigen. Und dass es ab 4.5. keinen Unterricht außerhalb der Maturafächervorbereitung gibt?
  •  Zudem: Um Gefährdungen von Lehrer*innen und Schüler*innen vermeiden zu können, braucht es jedenfalls mehr Lehrer*innen als Klassen an der Schule (Gruppenteilungen, Aufsichten, ..). Wie wird die Sicherheit aller gewährleistet?
  •  Wird es dazu Durchführungsbestimmungen geben oder muss jede Schule sich selbst Gedanken darüber machen?

 

Es wird ab 04.05. neue Diensteinteilungen (Stundenpläne) geben, dazu muss mit den DA das Einvernehmen hergestellt werden.

 

Mit der RP 2020 findet „die Auferstehung des normalen Lebens statt.“ Die Schüler*innen und Lehrer*innen sind die ersten, die nach den Ärzt*innen, Pfleger*innen, Kassier*innen in Lebensmittelgeschäften u.a. die Gewöhnung und den Umgang mit dem Virus üben und lernen müssen. Der Krisenstab hat das so beschlossen, daran ist nicht zu rütteln.

 

Bisher galten als dringende Empfehlung: der zwei Meter Abstand, kein Händeschütteln, Mund-Nasen-Schutz als unverzichtbare Schutzmaßnahmen gegen die Infizierung. Um den Schein der Sicherheit zu erwecken, werden nun für die Matura neue Maßnahmen erfunden: ein Hygiene-Handbuch, Intervall-Lüften, Desinfizierung der Schülerbänke.

 

ÖVP-nahe Schülervertreter*innen sind mit diesem Fahrplan einverstanden und verlangen Maßnahmen, um das Stigma „des Corona-Jahrganges“ loszuwerden! Es geht nicht darum, reife und kompetente, kritische und wissbegierige, selbstbewusste und soziale junge Menschen an die Unis und ins Leben zu entlassen, sondern darum, ein Image zu polieren. Die Schülervertretung tut so, als wären die österreichischen Maturant*innen die einzigen auf dieser Welt, die von dieser Krise betroffen sind. Andere Länder haben das „Abi“ oder „Bac“ einfach abgesagt.

 

Der Zeitpunkt der angesetzten schriftlichen Matura fällt genau in den Zeitraum des von Gesundheitsminister Anschober immer wieder vorausgesagten Peaks. Vielleicht fällt der aus, weil die Matura angesagt ist?

 

Bild: PSt unter Verwendung von

Image by Vektor Kunst iXimus  from Pixabay

Image by Lukas Moos  from Pixabay

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0