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ÖLI-Brief an Regierung: Schulöffnung verfrüht. Jede Schule wird ein "Ischgl"!

 Betreff: Entscheid zur Öffnung der Schulen

 

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Dr. Faßmann!

Sehr geehrter Herr Generalsekretär Mag. Netzer!

Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister Anschober!

Sehr geehrter Herr Vizekanzler Mag. Kogler!

 

Mit großer Besorgnis vernehmen wir als Lehrer*innenvertretung die Pressemeldungen, dass die Schulen bereits mit 15. Mai schrittweise geöffnet werden.

 

Gestern hat Dr. Nikolaus Popper vom COVID Prognose Konsortium seine neuesten Berechnungen zur Verbreitung des Coronavirus präsentiert. Im Ergebnis wurde festhalten, dass wir einen neuerlichen Anstieg der COVID-19-Fallzahlen erst mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen erkennen.

 

Die Lockerungsmaßnahmen des sozialen Lebens, begannen nach Ostern, am 14.4.2020. Erst mit Ende April (i.e. 14 Tage später) werden die Infektionszahlen ansteigen, aber zunächst unbemerkt bleiben, weil die größte Zahl an Infizierten einen milden COVID-19 Krankheitsverlauf haben wird. Wie stark der Anstieg ausfallen wird, wagt niemand vorherzusagen.

 

Wir müssen jedenfalls vorsichtig bei allen Lockerungsmaßnahmen sein, meint neben Dr. Nikolaus Popper auch der deutsche Virologe der Berliner Charité, Dr. Christian Drosten, weil wir eine zweite Infektionswelle nicht sofort an den offiziell bestätigten Zahlen erkennen werden, sondern erst mit einer drei- bis vierwöchigen Verzögerung. Das heißt, wir können den mit Sicherheit eintretenden Anstieg von COVID-19 Krankheitszahlen in den Tests erst dann bemerken, wenn die wahre Zahl der Infektionen in der Bevölkerung bereits deutlich angestiegen ist. Alles spielt sich zunächst im Dunkeln ab.

 

Eine Öffnung der Schulen bereits am 15. Mai halten wir für verfrüht. Jeder größere Schul­standort droht so zu einem weiteren „Ischgl“ zu werden (mit Lehrpersonen als Superspreader).

 

Der Fahrplan mit den Abschlussklassen wurde bereits einseitig festgelegt.

 

Wir appellieren als Lehrervertretung eindringlich an Sie Herr Bundesminister Dr. Faßmann Ihre Entscheidung über eine Schulöffnung erst Mitte Mai zu treffen. Wir möchten dabei zu bedenken geben, dass erst Mitte Mai eine seriöse Einschätzung über Entwicklung der COVID-19 Fallzahlen abgegeben werden kann und wir möchten auch in die Entscheidung, welche Schutzmaßnahmen an einzelnen Standorten für Schüler*innen und Lehrer*innen zu ergreifen sind, nach PVG § 9 Abs. 1 lit. e miteinbezogen werden. Wir sind die Expert*innen vor Ort, die die Maßnahmen umzusetzen haben und können wertvolle Einschätzungen über deren Durchführbarkeit abgeben.

 

Wir denken, die Gesundheit geht uns alle an und eine Schulöffnung kann nur nach dem Vorsorgeprinzip erfolgen.

 

Bleiben Sie standhaft! Geben Sie den Forderungen nach sofortigen Schulöffnungen nicht nach: Die Öffnung der Schulen könnte aber für Anfang Juni geplant werden und sollte auch in einem Fahrplan so verkündet werden. Mitte Mai sieht man dann ganz seriös, wie sich COVID-19 aufgrund aller Lockerungsmaßnahmen entwickelt und man kann diese für weitere 14 Tage beobachten. Dies würde von einer breiten Mehrheit akzeptiert werden.

 

 

Mit besten Grüßen und in der Hoffnung: gesund zu bleiben

 

Hannes Grünbichler, UGÖD+ÖLI-Vorstand, LL BMHS Stm., 0650 9254988, gruenbichler@oeli-ug.at

Elisabeth Hasiweder, Bundesfachgruppe HLW-BMHS, LL BMHS OÖ

Britta Danner, Landesleitung der BMHS-Gewerkschaft OÖ, stv.Vors. im FA-BMHS OÖ

Karlheinz Rohrer, Bundesleitung BMHS-Gew., Landesleitung und FA-BMHS Stm

Tanja Harrich, Landesleitung und FA-BMHS Stm.

Christine Mössler, Bundesleitung BMHS-Gew., stv.Vors. in Landesleitung und FA-BMHS Stm

Gabriele Atteneder, Erweiterter Landesvorstand GÖD OÖ

Josef Gary Fuchsbauer, stv.Vors. in ZA+BL BMHS, ÖLI-UG-Bundeskoordinator, GÖD-Vorstand

 


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