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Fassmanns Etappenplan für die Schulöffnungen und Unterricht im Schichtbetrieb

Bild: Alexandra Koch auf Pixabay.com
Bild: Alexandra Koch auf Pixabay.com

Öffnung aller Schulen bis 29. Mai, Unterricht im Schichtbetrieb, Schwerpunkt auf Festigung und Bemühen bei der Beurteilung sowie Sommerschulen für Schüler*innen, die das Nachholen besonders nötig haben. Das sind die wichtigsten Punkte des Etappenplanes für die allgemeine Schulöffnung, die BM Fassmann heute in einer Pressekonferenz vorstellte.

 

Dieser Plan gelte nur solange, wie sich die Umstände der Krise nicht änderten, hob Fassmann hervor. Sein Fazit zur Zeit der Quarantäne: Was Eigenverantwortung betrifft, sei der Fernunterricht ein erstaunlicher Schritt vorwärts gewesen. Zugleich zeigte sich aber, dass die Schule nach wie vor ein unersetzbarer sozialer Raum für Lernen und Entwicklung sei.

 

Ohne Schule gehe es nicht. Fernunterricht vergrößert sozialen Benachteilung im Bildungserwerb.

Das hob auch Fassmanns Co-Sprecherin Christiane Spiel, Pädagogik-Professorin an der Uni Wien, hervor. Sie wies besonders darauf hin, dass die Phase der geschlossenen Schulen die soziale Schere der Bildungschancen noch weiter geöffnet habe.

 

Die Kindergärten, die nicht in seinem Verantwortungsbereich stehen, forderte Fassmann zur Öffnung auf und empfahl die Verwendung des Corona-Handbuchs des BMBWF auch dort.

 

Drei Etappen zur allgemeinen Öffnung der Schulen

Mit den Matura- und Abschlussklassen der Berufsschulen, der mittleren und höheren Schulen beginnt am 4. Mai die erste Etappe der Schulöffnungen. Mit 15. Mai sollen dann die Volksschulen, NMS, Deutschförderklassen und Schulen für Schüler*innen mit Sonderbedarf wieder geöffnet werden. Berufsschulen, PTS, Oberstufen der mittleren und höheren Schulen werden mit 29. Mai wieder aufgemacht.

 

15. und 29. Mai sind Freitage. Diese Tage werden der Vorbereitung und Organisation der Öffnung der einzelnen Schulen mit Lehrer*innen-Konferenzen gewidmet sein, erklärte Fassmann auf Journalisten-Nachfrage. Außerdem sollen an diesen Tagen Gespräche mit Schüler*innen stattfinden, bei denen es nötig erscheint. Allgemeiner Unterricht findet demnach nicht statt.

 

Schichtbetrieb

Der Unterricht in den Klassen wird im Schichtbetrieb umgesetzt werden, um die Einhaltung der Hygieneregeln möglich zu machen, erklärte Fassmann. Die Klassen werden in Gruppen zu in etwa 11 Schüler*innen aufgeteilt werden. Der eine Teil soll montags bis mittwochs Unterricht haben, der andere Teil donnerstags und freitags. In der folgenden Woche wechseln die Gruppen. Tage ohne Unterricht sind "Hausübungstage", die man auch in der Schule verbringen kann.

 

Die Stundenpläne bleiben unverändert aufrecht, der Inhalt wird jedoch ausgedünnt. "Virologisch heikle Gegenstände" wie z.B. Bewegung und Sport werden nicht unterrichtet. Es wird kein Distance Learning zusätzlich zum Schulunterricht geben. Der Aufwand wäre für die Lehrer*innen zu groß, erklärte Fassmann. Zur Unterstützung, auch zum Ersatz jener Lehrer*innen, die zu Risikogruppen gehören, will der Bundesminister "Supplierlehrer*innen" und Student*innen einsetzen.

 

Nachmittagsunterricht und Sommerschulen

Der Nachmittagsunterricht entfällt, Ganztagsschulen halten jedoch die Nachmittagsbetreuung aufrecht. Das Unterricht endet nach Plan am 3. Juli, es gibt keine Verlängerung. Das neue Schuljahr könnte durch die Einführung von "Sommerschulen" für Schüler*innen mit großem Nachholbedarf, z.B. Deutschförderklassen, jedoch früher beginnen. Genauere Informationen dazu kündigte Fassmann für die nächste Zukunft an. Unter welchen Bedingungen der Unterricht gehalten werde sowie wer ihn durchführe, verriet er nicht. Zugleich kündigte er Betreuungsmöglichkeiten der Kinder für den Sommer an, was jedoch Angelegenheiten der Gemeinden und Länder sei.

 

Leistungsbeurteilung nach Bemühen und mit Nachsicht

Grundlagen für eine Leistungsbeurteilung gebe es genug. Herangezogen würden Leistungen aus dem ersten Halbjahr, aus dem Fernunterricht und dem Präsenzunterricht ab der Schulöffnung. Im Vordergrund stehen die Festigung bereits gelernter Unterrichtsinhalte und jener, die für das Aufsteigen ins nächste Jahr wichtig seien. Dabei werde vor allem das "ernsthafte Bemühen" und mit Nachsicht beurteilt.

 

Schularbeiten gibt es nicht. Ein Aufsteigen mit einem Fünfer geht ohne Beschluss der Beurteilungskonferenz, bei mehreren Fünfern ist ein Beschluss nötig. In Volksschulen ist das Durchfallen ausgesetzt.

 

Hygieneregeln und Risikogruppen

Oftmaliges Händewaschen, Abstandhalten und Nasen-Mundschutz-Tragen sind Pflicht in den Schulen. Grundlage für die Regeln ist das Hygiene-Handbuch des BMBWF. Während des Unterrichts dürften die Schüler*innen die Masken abnehmen. Für die Anschaffung seien die Eltern verantwortlich.

 

Schutzmasken für Lehrer*innen werden an den Schulen bereit stehen. Aus diesem Kontingent könnten auch im Augenblick nötige Ersatz-Masken für Schüler*innen genommen werden.

 

Schüler*innen und Lehrer*innen aus Risikogruppen müssten nicht in die Schule kommen. Das gelte auch für jene, die in einem Haushalt mit Angehörigen aus Risikogruppen leben. Ausschließlich für Schüler*innen und Eltern gelte nach Fassmanns Aussage, dass wer Angst vor Ansteckung in der Schule habe, auch nicht zu kommen brauche. Versäumte Unterrichtsinhalte müssten später nachgebracht werden.

 

Für Schüler*innen genügt eine Krankmeldung für das Fernbleiben vom Unterricht, Lehrpersonen benötigen ein ärztliches Attest über die Vorerkrankung. Über 60-jährige könnten frei über Daheimbleiben oder Unterrichten entscheiden. Statt Präsenzunterricht müssen Sie Fernlehre oder andere Aufgaben im Homeoffice übernehmen.

 

PSt

 

Bildnachweis: Alexandra Koch auf Pixabay.com


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Kommentare: 12
  • #1

    Hammerschmied (Samstag, 25 April 2020 18:45)

    Das kann ja nicht sein, dass die Turnlehrer immer noch nicht arbeiten müssen. Bewegung in der frischen Luft wäre doch möglich. Wie Sprachlehrer sitzen den ganzen Tag vor dem Computer

  • #2

    Josef Gary Fuchsbauer (Samstag, 25 April 2020 19:05)

    Meines Erachtens werden alle Lehrer*innen, die nicht zu Unterricht eingeteilt sein werden, zur Betreuung der Schüler*innen eingeteilt werden, die an den "Hausübungstagen" trotzdem in die Schule kommen. Lt. BM Faßmanns heutiger Aussage im Mittagsjournal gibt es ja nach Schulunterrichtsbeginn der jeweiligen Jahrgaenge für die Schüler*innen kein Homeschooling mehr.

  • #3

    Knapp (Sonntag, 26 April 2020 06:23)

    Als Klassenvorständin von 30 SchülerInnen arbeite ich zur Zeit auch am Wochenende viele Stunden, nur um mit den Kindern die Aufträge zu besprechen, die in all den anderen Gegenständen erfüllt werden sollen.
    Zusätzlich unterrichte ich Mathematik in 4 Klassen mit Aufträgen , die auch von mir gut rückgemeldet werden.
    Ich lebe in einem Haushalt mit Risikopatienten und bin selber 63. Wenn ich jetzt nicht in die Schule gehe, welche Nachteile auch finanziell kann ich haben?

  • #4

    Josef Gary Fuchsbauer (Sonntag, 26 April 2020 07:38)

    Falls es weiterhin auch Distance Learning gibt, sollte sich an der Bezahlung gar nichts ändern. Wenn aber - wie BM Faßmann gestern im Journal zu Gast gesagt hat - ab dem jeweiligen Wiederbeginn der Präsenzunterrichtszeit kein Fernunterricht mehr stattfindet, wird wohl es wohl als Abwesenheit aus Gesundheitsgründen gelten und nur der Grundbezug bezahlt werden. ABER: Das ist noch nicht geregelt.

  • #5

    S.G. (Mittwoch, 29 April 2020 19:17)

    Habe ich das Anrecht auf Distance Learning, wenn ich eine pflegebedürftige Person im gemeinsamen Haushalt betreue? Gibt es mittlerweile eine Regelung, ob nur mehr der Grundbezug bezahlt wird, wenn kein Fernunterricht mehr stattfindet?

  • #6

    Gary (Mittwoch, 29 April 2020 19:38)

    Das Recht darauf, nicht in die Schule zu müssen, sollte gegeben sein. Aber wie die Bezahlung sein wird, wenn es keinen Fernunterricht mehr geben sollte, ist noch nicht geregelt. Aber naheliegend ist natuerlich, dass dann wie im Krankenstand nur der Grundbezug gezahlt wird. Aber andererseits ist noch keineswegs klar, dass es neben dem Praesenzunterricht nicht auch Fernunterricht gibt, zB weil auch Schueler*innen aus Gesundheitsunterricht nicht in der Schule sind und weil ja auch immer nur die Haelfte im Praesenzunterricht ist.

  • #7

    Gary (Mittwoch, 29 April 2020 19:40)

    sorry, corr.: Schueler*innen aus Gesundheitsgruenden nicht in der Schule sind

  • #8

    S.G. (Freitag, 19 Juni 2020 09:28)

    An meinem Schulstandort (NMS, NÖ) herrscht Unklarheit darüber, bis wann
    Angehörige von Risikopatienten dem Unterricht fernbleiben dürfen bzw. durften. Die Meinungen im Kollegium gehen hier weit auseinander. Ich ersuche um Klärung dieser Frage sowie die schriftliche Quelle für die richtige Information. Herzlichen Dank!

  • #9

    Josef Gary Fuchsbauer (Freitag, 19 Juni 2020 12:08)

    Die Coronaschutzbestimmungen wurden bis Ende Juni verlaengert und fuer Schulen bis zum Schulschluss in den einzelnen Bundeslaendern. Ersteres:
    In https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus---Haeufig-gestellte-Fragen/FAQ--Risikogruppen.html steht unter "Wie lange wird die Regelung gelten?":
    "Die Regelung wird vorerst bis Ende Juni gelten. Eine Verlängerung kann durch den Gesundheitsminister und die Arbeitsministerin aufgrund der COVID-19 Situation gegebenenfalls erfolgen."
    Zweiteres, dass das fuer Schulen bis Schulschluss bedeutet, find ich jetzt auf bmbwf.gv.at nicht, wurde aber verlautbart und sollte eigentlich in den Direktionen bekannt sein.

  • #10

    S.G. (Freitag, 19 Juni 2020 13:00)

    Vielen Dank für die Information!

    Auf der Seite des Sozialministeriums steht diesbezüglich jedoch auch auf die Frage ""Mein Partner/meine Partnerin/mein Kind" gehört zur Risikogruppe. Gilt der Anspruch auf Homeoffice/Dienstfreistellung auch für mich?" die Antwort "Angehörige können mit dieser Regelung nicht abgedeckt werden."

    Auch auf der Seite des Bildungsministeriums findet man unter der Frage "Ich lebe mit einer Person im Haushalt, die zur Risikogruppe gehört - habe ich Anspruch auf Freistellung?" die Antwort "Nein, einen Anspruch für Personen, die mit jemandem zusammenleben, der zur Risikogruppe gehört, enthält das Gesetz bzw. die Verordnung des Gesundheitsministeriums nicht." Dies steht offenbar seit 12.5. auf der Homepage des Ministeriums.
    (https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/beratung/corona/corona_fua.html)

    In meinem Fall geht es darum, dass ich bisher vom Unterricht freigestellt war, da ich im gemeinsamen Haushalt mit einer schwerst pflegebedürftigen Person lebe und diese betreue. Ich werde jedoch gezwungenermaßen ab kommender Woche wieder für den Unterricht eingesetzt, da seitens meiner Direktion verlautbart wurde, dass es keine rechtliche Grundlage für eine Freistellung mehr gibt.

  • #11

    Josef Gary Fuchsbauer (Freitag, 19 Juni 2020 13:22)

    Bitte um Entschuldigung, dass ich unvollstaendig gelesen habe. "Angehörige von" hatte ich übersehen. Es ist leider richtig, dass zwar das BMBWF für diese Schutz angekündigt hatte, dieser aber nie in Kraft trat, weil schon ab Beginn des Praesenzunterrichts diese Ankuendigung nicht umgesetzt worden war. Leider kann ich nichts Besseres mitteilen. Dass es bisher Homeoffice gab und dass manche Schulleitungen das ermoeglicht haben, ist erfreulich, aber ein Recht darauf gibt es leider nicht. Ich hatte dazu auch das Rechtsbuero der GOeD befragt und die hatten leider auch keine bessere Auskunft.

  • #12

    S.G. (Freitag, 19 Juni 2020 14:16)

    Trotzdem vielen Dank für Ihre Bemühungen und Ihre rasche Rückmeldung!