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Warum das Einhalten der Hygiene-Bestimmungen wichtig ist und repräsentative PCR-Testungen in Schulen und Kindergärten durchgeführt werden müssen

Kinder sind genauso infektiös wie Erwachsene. Unentdeckte Ausbreitung des Virus in französischer Schule und ein Ansteigen der Ansteckungsrate in Dänemark nach Öffnung der Schulen.

 

Die ÖLI-UG

warnt davor, die Viren-Gefahr auf die leichte Schulter zu nehmen,

erinnert BM Faßmann an sein Versprechen bei Verschlechterung der Situation die Schulen zu schließen und

sieht die Sicherheit an Schulen nur durch regelmäßige PCR-Testungen gewährleistet.

 

Die Lehrer*innenvetretung ÖLI-UG hat mit großer Besorgnis die ORF Berichterstattung über die Ergebnisse einer Vorabstudie vom deutschen Virologen Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité zur Virenbelastung von Kindern verfolgt, man kann sie nachlesen unter:  https://bit.ly/SARS-2-load.

 

Er weist nach, dass Kinder genauso infektiös sind wie Erwachsene, wenn sie sich mit CoV infiziert haben, sagt aber auch, dass sie nicht so leicht empfänglich für dieses Coronavirus sind. Der Forscher findet keine Unterschiede in der Viruslast bei den verschiedenen Altersgruppen. Auch eine andere Forschergruppe bestätigt im Ergebnis Ähnliches, nachzulesen unter:  https://doi.org/10.1101/2020.04.27.20076778.

 

Es gibt also keinen Grund, zu denken, dass Kinder weniger infektiöses Virus hätten als Erwachsene.

 

Bundesminister Faßmann hat mit einer Zusage reagiert, und das Monitoring der Covid-19-Fallzahlen und das sofortige Schließen der Schulen bei steigenden Infektionszahlen versprochen.

ABER nun gibt es erste Hinweise, dass pädagogische Einrichtungen, wie Schulen und Kindergärten, eine große Rolle bei der Virus-Verbreitung spielen können:

 

1.  In Frankreich haben Mediziner das Infektionsgeschehen an einer mittelgroßen Schule (an einem Gymnasium mit ca. 1.500 Schüler*innen) vor dem Runterfahren des öffentlichen Lebens wissenschaftlich untersucht. Das Preprint ist nachzulesen unter: https://doi.org/10.1101/2020.04.18.20071134

 

Ungefähr für fünf Wochen lief in dieser Schule ein sich langsam hochschaukelnder Covid-19 Ausbruch. Den hat man zunächst mal nicht so richtig bemerkt. Vom ersten Fall in der Schule bis zur Schulschließung hat es fünf Wochen gedauert hat. Warum? Bevor bemerkt wurde, dass sich Covid in der Schule verbreitet hatte, begannen Ferien. Das Infektionsgeschehen verlief sozusagen im Dunkeln. Rund 40 % aller Schüler*innen und Lehrer*innen wurden im Endeffekt mit mit CoV infiziert. Prof. Christian Drosten stellt dazu nüchtern fest: „Geöffnete Schulen bleiben ein Risiko“.
Den gesamten Podcast kann man nachhören unter: https://mediandr-a.akamaihd.net/…/podcast4684/AU-20200505-1…

 

2. Dänemark gilt als besonders vorbildhaft in Sachen „Kindergarten- und Schulöffnungen“. Dort setzt man auf Kleinstgruppen, Händewaschen und Zwei Meter Abstand oder auf Unterricht im Freien.[1]


Das Staatliche Institut für Infektionskrankheiten SSI meldet seit den Schulöffnungen aber einen deutlichen Anstieg der Reproduktionsrate der Viren. Diese liegt zwar immer noch knapp unter 1 und daher bleiben die Infektionszahlen weiterhin rückläufig, aber die meisten Schüler*innen kehren dort erst am 11. Mai in ihre Schulen zurück.

 

Jetzt kann man einwenden, dass die derzeitige Lage in den Schulen und Kindergärten nicht mit jenem Infektionsgeschehen vor den erlassenen Hygiene-Bestimmungen vergleichbar ist und ein leichtiger Anstieg der Infektionszahlen in Kauf genommen werden kann - der Vergleich somit hinkt. Das wird zum Teil stimmen, aber leider stimmt es auch, dass die österreichischen Hygiene-Standards [2] im Vergleich zu jenen Dänemarks viel laxer sind.

 

Trotzdem spricht man vom größtmöglichen Schutz in allen pädagogischen Einrichtungen❗️

 

Die ÖLI-UG ist als Lehrerinnen*vertretung jedenfalls noch voller Zuversicht, dass Schule unter Einhaltung der Hygiene-Bestimmungen gelingen kann, immer vorausgesetzt, dass eine Ausdünnung der Klassen und der Verzicht auf Nachmittagsunterricht für alle Schultypen (APS, BS, AHS und BMHS) nicht nur vom bmbwf angekündigt ist, sondern sich auch in den Durchführungsbestimmungen zu den Schulöffnungen wiederfindet.


Die Schulen brauchen größtmögliche Flexibilität für die Abhaltung des Unterrichts in Kleingruppen.
Es wird vorkommen, dass der eine oder andere Unterricht nicht stattfinden wird, z.B. wird der fachpraktische Unterricht an BMHS in Küchen, Werkstätten und Labors aufgrund der Hygiene-Bestimmungen auszusetzen zu sein.


Nachdenklich stimmen uns aber die jetzt veröffentlichten Richtlinien für die Unterrichtsorganisation und die pädagogische Gestaltung. Ob so Schule gelingen kann?

 

Das von der Wissenschaft gut dokumentierte Infektionsgeschehen zeigt im Ergebnis, dass das Einhalten der Hygiene-Bestimmungen ein wichtiger Mosaikstein für die Rückkehr zum Präsenzunterricht an Schulen sein wird. Wahrscheinlich sind die österreichischen Bestimmung aber nachzuschärfen, wie die Entwicklungszahlen Dänemarks zeigen.


Die Umsetzung im schulischen Kontext darf dabei nicht zu lasch erfolgen. Darauf gehört seitens des Bildungs- und Gesundheitsministers und der Bildungsdirektionen immer wieder hingewiesen.

Nur diese Maßnahmen werden zu wenig sein, wie das Beispiel an Frankreichs Schulen zeigt. Infektionsgeschehen spielen sich zunächst im Dunkeln ab, darauf hat auch Nikolas Popper in seinem „simulierten Blick zurück“ hingewiesen.[3] Es braucht mehr!


Die von der ÖLi-UG vorgeschlagene repräsentative PCR-Stichproben-Testung von Lehrpersonen und Elementarpädagog*innen bzw. der Schüler*innen und Kinder scheint wichtiger denn je zu sein.

 

Gerade die Bundesländer Steiermark und Wien kommen dafür in Frage, zum einen, weil die aktuellen Covid-19-Erkrankungszahlen relativ hoch sind und zum anderen, weil beide Bundesländer große Medizinische Universitäten beheimaten, die diese Testungen wissenschaftlich begleiten können.Tirol hat bereits angekündigt zu testen.

 

Eine erste freiwillige Testreihe wäre vor Wiederöffnung der Schulen bzw. dem Hochfahren der Kindergärten in den Vollbetrieb und eine Wiederholung in regelmäßigen Abständen (d.h. ein Screening in einem 14 Tages-Intervall) sinnvoll.


Einerseits, können die Testergebnisse zur Beruhigung von Kindern, Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen bzw. Elementarpädagog*innen beitragen, wenn sich zeigt, dass jederzeit keine oder kaum positive Testergebnisse vorliegen. Anderseits, können Quarantänemaßnahmen so rasch erfolgen, falls CoV-Infizierte entdeckt werden, dass sich eine unbemerkte Weiterverbreitung des Virus, wie in Frankreich, verhindern lässt.

 

Die ÖLi-UGhat ihre Anbringen bei den beiden zuständigen Ministerien (für Bildung und Gesundheit) eingebracht und hofft, auch Gehör gefunden zu haben.

 

(HG)

 

Zur Literatur, falls nicht gleich Links angegeben wurden:
[1]  https://www.derstandard.at/…/daenemark-will-mehr-unterricht…
[2] 🌐 https://www.bmbwf.gv.at/…/jcr…/corona_hygiene_schulen_hb.pdf
[3] 🌐 https://science.apa.at/…/…/SCI_20200420_SCI39451352254233632

 

Bildnachweis: Bild von fernando zhiminaicela auf Pixabay

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Josef Hladik (Donnerstag, 21 Mai 2020 12:47)

    Diese PCR-Stichproben-Testung wird wohl nicht kommen, obwohl sie m. E. enorm wichtig wäre. Es besteht wirklich die Gefahr, dass im Juni die "unentdeckte Ansteckung" voranschreitet und spätestens im Herbst das Problem uns wieder erschlägt. Auch dass der Nachmittagsunterricht jetzt doch stattfindet ist typisch "wird eh schon nix passieren". Aber klar, der soziale Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern geht schon ab.
    lg an alle!