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Skandalös: "Abstand unnötig. Es stecken sich die Lehrer an!"

Bildbearbeitung PSt. Bildnachweis am Ende des Artikels.
Bildbearbeitung PSt. Bildnachweis am Ende des Artikels.

Mittlerweile eskalieren auch an den Schulen die Corona-Infektionen. Verantwortlich sind aber nicht die unvernünftigen, partysüchtigen Jugendlichen sondern das unglaublich absurde Massnahmen-Management mancher Bildungsdirektionen und des Bildungsministers Fassmann. Die Ansteckung von Schüler*innen und Lehrer*innen  werden in Kauf genommen, weil .... Ja, warum eigentlich? Warum wurden und werden Fürsorgepflichten des Dienstgebers gegenüber den Kindern und den Dienstnehmer*innen vernachlässigt?

 

Abstandhalten „sei auch gar nicht nötig, denn es sei auf Bundesebene festgelegt worden, dass Klassen im Grunde Haushaltsgemeinschaften bilden“. Außerdem infizierten „sich meist nicht die Schulkinder“, sondern [eh nur? Anm.] die Lehrkräfte." Vorarlbergs Bildungslandesrätin Schöbi-Fink setzt damit den mittlerweile letzten Höhepunkt amtlicher Fürsorge-Ignoranz in einem ORF-Interview.

 

Frau Schöbi-Finks Verirrung ist jedoch nicht eine "Einzelfehlleistung". Der lasche Umgang mit der Ansteckungsgefahr beginnt bereits bei der Verordnung "zur Bewältigung der Covid-19 Folgen" in der Schule von 31. August 2020. In der Öffentlichkeit predigt Herr Fassmann einen verpflichtenden Sicherheitsabstand als besten Schutz gegen Corona, um das in der Verordnung sofort wieder aufzuheben. In den Klassen und Gruppen müssen die Abstände nicht eingehalten werden. Ein Freibrief zur Unterschätzung der Ansteckungsgefahr.

 

Nächster Schritt: Fassmann missachtet die Corona-Ampel. Obwohl in orange ausgewiesenen Gebieten die Oberstufen eigentlich automatisch in den Fernunterricht müssen, bestimmt der mit besonderen Vollmachten ausgestattet Bildungsminister, dass Orange an den Schulen Gelb zu sein hat. Farbenblindheit?

 

Dazu Hannes Grünbichler (Rechtsexperte der ÖLI-UG): Die Bildungslandesrätin nimmt also die Ansteckungen von Lehrkräften in Kauf, wenn sie meint, „dass sich meist nicht die Schulkinder mit dem Coronavirus infizieren, sondern die Lehrkräfte", und deshalb keine weiteren Maßnahmen erforderlich seien, um diesen Missstand zu beheben. Sie verstößt damit nicht nur gegen den § 3 B-BSG (Bundes-Bedienstetenschutzgesetz), sondern auch entsprechend dem §3 (1) und 31 (1) GRC ein Recht auf Gesundheit.

 

Wie gefährlich die Situation in der Zwischenzeit ist, zeigen die Entwicklungen in Tirol und Salzburg, wo in auf Orange und Rot gestellten Regionen der Unterricht in den Oberstufen auf Fernlehre umgestellt wird. Laut Meldungen, die uns in den letzten Tagen erreichten, leert das Virus ganze Konferenzzimmer von NMS. Doch statt die Schulen zu schließen, werden Lehrer*innen, die noch nicht infiziert sind, in Kovid-verseuchte Klassen geschickt. Ist das Erfüllung der Fürsorgepflicht?

 

Auch die Amtsärzte müssen in die Pflicht genommen werden. Sie sind es, die eine Klassen-Quarantäne verhängen können. Und manche von ihnen müssen erst nach langer Diskussion überzeugt werden, eine Klasse wenigstens bis zur Klärung von Covid-Verdachtsfällen nach Hause zu schicken.

 

Unter diesen Umständen sind die rasant steigenden Zahlen an Neuinfektionen auch kein Mirakel. Schuld sind aber nicht sorglose Jugendliche sondern eine phantasie- und sorglose Politik.

 

Weiterführende Informationen:

ORF: CoV-Management an Schulen kritisiert

 

Verordnung des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung zur Bewältigung der COVID-19 Folgen im Schulwesen für das Schuljahr 2020/21 (COVID-19-Schulverordnung 2020/21 – C-SchVO 2020/21)

 

UBG: Bildungslandesrätin Schöbi-Fink: Abstand in den Klassen nicht erforderlich,....

 

Bildnachweis: Bearbeitung PSt unter Verwendung des Bildes von rus33333  auf Pixabay

 


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Kommentare: 5
  • #1

    Hannes Grünbichler (Mittwoch, 21 Oktober 2020 06:59)

    Hier handeln die Bildungsverantwortlichen fahrlässig und wir erinnern an § 6, § 88 und § 178 StGB.
    Wir meinen, dass die Bildungsverantwortlichen, wenn sie sich mit den Zuständen in den Schulen einfach abfinden, und sie „Infektionen mit einer ansteckenden Krankheit“ von unterrichtenden Lehrpersonen bewusst in Kauf nehmen, zumindest eine der angeführten strafbaren Tathandlungen begehen.
    Wir werden um eine Sachverhaltsdarstellung nicht umhinkommen, wenn die Bildungsverantwortlichen nicht einlenken.

  • #2

    Regina Latzin (Montag, 26 Oktober 2020 09:02)

    Bestärkt durch diesen Beitrag von ÖLI-UG habe ich am 25. 10. eine Petition gestartet:

    https://mein.aufstehn.at/petitions/gesunde-lehrerinnen-in-gesunden-schulen

    Nach einem Tag schon mehr als 1000 Unterschriften!

    Bitte unterschreiben, weiterleiten, teilen...

    Danke, Regina Latzin

  • #3

    Rosanne Baston-Pitt (Dienstag, 10 November 2020 19:01)

    Ich gehöre zur Risikogruppe und arbeite an einer 'Brennpunktschule', wo viele Familienmitglieder corona-positiv sind aber die Kinder trotzdem in die Schule schicken. Ich warte vergebens auf die von Fasslmann versprochene und in den Medien propagierte Zusendung einer FFP2 Maske. Mittlererweile muss ich jeden Tag in Klassen supplieren, wo Kolleginnen wegen Corona, Krankheit oder Überlastung fehlen. Wir müssen wegen Putzschichten täglich unentgeltlich bis zu einer Stunde länger arbeiten und haben kein Recht mehr auf eine eigene Pause! Lehrer*innen müssen im Schichtbetrieb ihre Schützlinge beaufsichtigen.

  • #4

    Josef Gary Fuchsbauer (Dienstag, 10 November 2020 19:20)

    Danke fuer diese Mitteilung. Leider hoeren und lesen wir solche Zustandsbeschreibungen immer oefter.
    Bitte kontaktiere deine Personalvertretung und ersuche sie um Taetigwerden im Sinne ihrer Aufgabe nach Paragraf 2 des Personalvertretungsgesetzes: Einsatz fuer die gesundheitlichen Interessen der Bediensteten, Einsatz zur Einhaltung der im Sinne der Lehrer*innen gelten Gesetze, Verordnungen und Erlaesse.
    Bitte wendet euch an Schulleitung, Schulaufsicht (Schulqualitaetsmanager*in), Bildungsdirektion und Gesundheitsbehoerden. Es darf nicht sein, dass Kinder in die Schule kommen, die in Quarantaene sein muessen, dass ihr keine entsprechenden Masken bekommt, dass eure Arbeitszeit ueber das gesetzlich vorgesehene Maß ausgeweitet wird. Ihr muesst das an alle moeglichen Stellen melden, denn wir haben den Eindruck, dass viele in Schulverwaltungen und Gesundheitsbehoerden womoeglich glauben, was immer noch gesagt wird: Dass in Schulen coronamäßig eh alles in Ordnung sei.

  • #5

    Hannes Grünbichler (Dienstag, 10 November 2020 19:31)

    Hallo Rosanne,

    die/der Dir muss bei der BiDion die FFP2-Masken anfordern, dort werden euch mitgeteilt wie ihr zur Maske kommt, vielfach wird sie über über BH verteilt usw.. Wichtig ist jeden Tag eine neue Maske (also 1 Maske pro Tag). Kinder der Eltern positiv sind, sind normalerweise K1-Kontaktpersonen und müssten (für 10 - 14 Tage) in Quarantäne sein und dürfen nicht in die Schule. Bitte bei der Gesundheitsbehörde nachfragen und ihnen das mitteilen und den Eltern sagen.
    Fürs Putzen ist der Schulerhalter zuständig. Dies müsste die Dir. mit dem Schulerhalter klären. Ich weiß, diesen Satz hätte ich mir jetzt sparen können...
    Ich wünsche dir alles Gute und bleib gesund.

    LG,
    Hannes
    PS: Am Donnerstag haben wir Generalversammlung und da werden diese unzumutbaren Zustände thematisiert...