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Leserbrief: Statt Schutz vor Covid, größere Gruppen in der Schule um Kosten zu sparen!!!

Bild von Willgard Krause auf pixabay.com, bearbeitet von PSt
Bild von Willgard Krause auf pixabay.com, bearbeitet von PSt

Ist-„Unzustand“ in den Schulen seit Corona – Problemfeld Oberstufe

 

Trotz Empfehlung des Bildungsministeriums, Klassen in Kleingruppen und ohne Durchmischung einzuteilen, überraschte mich zu Schulanfang die Tatsache, dass Gruppengrößen in diesem Corona-Jahr größer als die Jahre zuvor sind, zudem wurden die Klassen mehr gemischt (gleiche Jahrgänge und verschiedene Jahrgänge) als vor diesem Schuljahr. Dadurch wurde in meinem Fall Werteinheiten „eingespart“ – auf Kosten meiner Gesundheit. Die Gruppen im Turnunterricht bewegen sich zwischen 16 bis 30 Schüler*innen, wobei die Tendenz eher in Richtung Grußgruppen geht.

 

Nachdem ab Ampelfarbe Gelb im Sportunterricht jede und jeder mindestens 2 m Abstand benötigt, musste ich feststellen, dass diese Regelung in den Turnsälen, die mir zur Verfügung gestellt werden, nicht durchführbar ist. Sie sind schlichtweg zu klein, als dass die Sicherabstände eingehalten werden könnten und von „Durchlüftung“ können manche nur träumen.

 

Keine Schutzmaßnahmen vorhanden!

Es ist mir auch ein Rätsel, dass die Klassen mit keinerlei schützenden Maßnahmen ausgestattet wurden, Abtrennungen zum Schutz von Schüler*innen und Lehrer*innen wäre eine tolle Sache, es wurden keinerlei Adaptionen in den zum Teil völlig veralteten Turnsälen durchgeführt, damit die Coronaregeln eingehalten werden könnten. Anzunehmen, eine Klasse wäre als Familie zu bewerten, finde ich mittlerweile fahrlässig.

 

Warum spart man die Schulen zu Tode, warum wurden die Werteinheiten nicht geöffnet, warum teilt man Klassen nicht, sodass sich auch weniger Lehrer*innen im Konferenzzimmer und im Schulgebäude bewegen?

 

Wir befinden uns tagtäglich in einem krankmachenden Umfeld. Sehr viele Jugendliche halten sich anstandslos an alle Regeln, einige jedoch wollen ihr Verhalten nicht ändern, sie halten Sicherheitsabstände nicht ein und feiern sich nach wie vor am Wochenende ins Koma und gefährden damit ganze Schulgemeinschaften. Warum fordert man nicht vehement alle kranken und kränkelnden auf, bis zur Genesung zu Hause zu bleiben – alle sind gut für das Homeschooling vorbereitet. Wie kann es sein, dass Eltern ihre Kinder krank in die Schule schicken?

 

So wurde auch ich an meinem Arbeitsplatz zu einer Kontaktperson 1, aufgrund eines nicht ausreichenden Schutzes von Seiten unserer Politik und Gewerkschaften, aufgrund der Nachlässigkeit der Eltern und des Nichteinhaltens der Schutzmaßnahmen von Seiten einiger Schüler*innen!

 

In der Schule angesteckt!

Die Konsequenz bedeutet, dass ich meine Herbstferien in Quarantäne verbringen muss, ich womöglich das Virus in eine weitere Schule verschleppt habe und dadurch fast die ganze Schule in Bedrängnis gebracht habe, ich eventuell meinen 93 jährigen Vater angesteckt habe, Freunde in berufliche Probleme verwickelt habe und von den privaten Einschränkungen all jener, mit denen ich in Kontakt gewesen bin, möchte ich gar nicht sprechen. Dadurch, dass eine Person das Virus in die Schule getragen hat, sind schlussendlich an die 200 Personen nur durch mich in diesen Prozess involviert!!!

 

Ist es denn so schwierig für ein sichereres Arbeitsumfeld im Schulbetrieb zu sorgen, haben Lehrer*innen denn gar keinen Wert? Wie ist es möglich, dass über Monate nichts getan wurde, um alle Personen im Schulwesen zu schützen, wo sind unsere Gewerkschafter, denen wir monatlich einen Teil unseres Gehaltes zur Verfügung stellen? Glaubt man wirklich, dass das Virus vor dem Schulgebäude abbremst und vor der Tür stehenbleibt?

 

Anstatt ellenlange Erlässe im Umgang mit COVID-19 positiv getesteten zu verfassen, sollte überlegt werden, was zu tun wäre, damit das Virus erst gar nicht in die Schulen gelangt. Wie komme ich dazu, nun eingesperrt zu werden und vielleicht auch zu erkranken, nur weil einige Jugendliche an den Wochenenden abfeiern, mit Erlaubnis der Eltern? Wie soll ich damit fertig werden, sollte ich meinen Vater angesteckt haben und trage nun ich dafür die Verantwortung?

 

Auch hätte ich gerne erklärt bekommen, warum die Ampelfarben in den Schulen nicht auf die Bezirke abgestimmt sind, wie kann es zum Beispiel sein, dass der Bezirk orange gestellt ist und die Schule gelb? Die Schüler*innen kommen aus vielen verschiedenen Bezirken und auch Bundesländern, sie werden in völlig überfüllten Schulbussen transportiert. Wir hätten alle Schulen vom ersten Schultag an auf Gelb stellen müssen, um die Ernsthaftigkeit der Lage zu vermitteln und um zu demonstrieren, dass wir aufeinander achtgeben.

 

Warum wird immer noch von Schüler*innen im Allgemeinen gesprochen? Ist es bis ins Ministerium noch nicht durchgedrungen, dass endlich einmal differenziert werden sollte, in Pflichtschulbereich und in Oberstufe? Zumindest in der Oberstufe wird ausschließlich mit Personen gearbeitet, die das Virus verbreiten können.

 

Wo sind die erzieherischen Maßnahmen von Seiten der Eltern? Wo bleiben Vernunft, moralische Pflicht und Verantwortung? Ist noch immer zu wenig passiert, als dass man darüber nachdenkt in welcher Situation wir uns alle gerade befinden? Es ist nun mal keine gute Partyzeit, wir befinden uns nämlich in einem wellenartigen Ausnahmezustand.

Ich mache meine Arbeit mit Leidenschaft und Freude, die entsprechenden Rahmenbedingungen fehlen jedoch. Es ist belastend in einem krankmachenden System seine Arbeit zu verrichten, man kommt der Gefahr beim besten Willen unter diesen Umständen nicht aus!

 

Die daraus entstehenden privaten Einschränkungen sind (mit oder ohne Quarantäne) nur durch Disziplin und permanenter persönlicher Arbeit an sich selbst auszuhalten. Das Gefühl, das Virus womöglich zu verbreiten, schafft mehr Distanz, als jede messbare Entfernung. Ich kann mich jeden Tag, in jeder Schulstunde anstecken, kann mich nicht davor schützen. Das Gefühl von Freiheit besteht nur noch im inneren Raum, da ich durch meine Arbeitssituation alle sozialen Kontakte bis auf ganz wenige Familienmitglieder reduzieren muss, möchte ich nicht mein Umfeld infizieren.

 

Diese Gefühle entstehen dadurch, dass es immer noch zu viele Menschen gibt, die unverantwortlich und in meinen Augen dadurch auch moralisch verwerflich leben, dadurch, dass unsere Politiker kein wirkliches Interesse am Schulwesen zeigen, die tatsächliche Sachlage einfach ignorieren und dadurch, dass uns unsere Gewerkschaft im Stich lässt, indem sie nichts tut, abgetaucht ist.

 

Aus der mir aufgezwungenen Quarantäne, eine Lehrerin der Oberstufe

 

Bildnachweis: Bild von Willgard Krause  auf  Pixabay , berbeitet von PSt

 


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