Schultestungen: Wenig infizierte Schüler*innen nach der Anfangswoche - Wie hoch ist die Aussagekraft?

Luftreinigen statt Nasenbohren! Bild: PSt
Luftreinigen statt Nasenbohren! Bild: PSt

Nur rund 200 Corona-Infizierte unter den Schüler*innen, Lehrer*innen und dem Verwaltungspersonal haben die "Nasenbohr"-Tests in der ersten Schulwoche in Wien und Niederösterreich ergeben. Erfreulich, aber gefährlich trügerisch! Denn nach einem mehr als sechswöchigem Schul-Lockdown inklusive Weihnachts- und Semesterferien kann man so geringe Zahlen eigentlich erwarten. Alles andere ist Selbsttäuschung.  

 

von Peter Steiner

 

Die Voraussetzung für verlässliche Zahlen besteht in einem sicheren Test. Wie zum Beispiel in der Testmethode der international viel beachteten, auf lange Sicht geplanten "Gurgelstudie" von Michael Wagner (Uni Wien). Im Gegensatz dazu liefern die üblichen "Nasenbohr"-Tests nur zu 50 Prozent richtige Testergebnisse. Andere Studien, z. B. von der TU Berlin zeigen: Das Risiko, sich über Aerosole mit Corona zu infizieren, ist im Klassenraum extrem hoch. Selbst mit Schichtbetrieb und Maskentragen im Unterricht droht noch immer ein rund drei mal so hohes Ansteckungsrisiko als für Menschen im Supermarkt.

 

Weniger Ansteckungsrisiko durch Luftreinigung

Die Anschaffung von Luftreinigungsgeräte mit UV-Filtern stellt eine tatsächliche Entlastung der Situation dar. Untersuchungen zeigen, dass damit rund 90 PROZENT der Viren, Allergene und sonstigen Luftschadstoffen aus Klassenräumen entfernt werden können - ohne ständiges Lüften. Das wäre eine echte Investition in die Zukunft der österreichischen Schulen, Herr Bildungsminister! Schade, dass Ihnen windige, unzuverlässige Testergebnisse auf Nasenbohrer-Art lieber sind.

 

Andere Schulerhalter gehen da mit gutem Beispiel voran: Als erste Statd in Österreich hat Traiskirchen  den Lockdown genutzt und seine Schulen mit Luftreinigungsanlagen ausgestattet. In einem weiteren Schritt werden die Geräte in den Traiskirchner Kindergärten installiert. Die Geräte sorgen für Corona-freie Luft, so die Tageszeitung "die Krone".

 

In Deutschland entschied sich die Gemeinde Stadtlohn im Münsterland für einen sicheren Schulbetrieb und die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten. Stadtlohn hat ungefähr 20.000 Einwohner, das entspricht in etwa den Städten Mödling oder Kufstein in Österreich.

 

Studie: Luftreinigungsgeräte zur Senkung der Virenlast im Klassenzimmer - hessenschau.de

Kronenzeitung: Vorreiter Traiskirchen - Geräte sorgen für Corona-freie Luft

news4teachers.de: Das Risiko, sich über Aerosole mit Corona zu infizieren, ist im Klassenraum extrem hoch – Lauterbach: Luftfilter anschaffen!


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Kommentare: 8
  • #1

    maria (Mittwoch, 17 Februar 2021 19:25)

    ich lese gerade auf orf.at, dass in wien und niederösterreich die zahl der positiven fälle von letzter woche 200 auf diese woche 350 gestiegen ist. und minister faßmann begründet das damit, dass die schüler nun besser mit den tests umgehen könnten und deswegen eine höhere zahl herauskäme...nun, der minister ist övp-politiker, da überrascht mich gar nichts mehr...aber dass von seiten der gewerkschaft in dieser ganzen zeit nie ein gegenkommentar kommt, finde ich schon arg...ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal fritz neugebauer als vertreter zurückgewunschen hätte, denn der hätte so etwas nicht kommentarlos hingenommen, egal aus welcher couleur der minister war

  • #2

    MF (Mittwoch, 17 Februar 2021 22:26)

    https://doi.org/10.1136/bmj.n383
    In Israel und Italien mehren sich Berichte, dass in der Gruppe der 5-10 jährigen die Infektionszahlen zunehmen. Das ist die Gruppe die in AT auf Fassmann/Netzer-Geheiss 5d in voller Klassenstärke ohne Maske in zu kleinen Räumen sitzt, beschützt nur vom Dicken-Fische-Test...zur Erinnerung: findet 40% der Asymptomatisch Infizierten, das zeigt wohl schon die Richtung an

  • #3

    Mag. theol. Josef (Donnerstag, 18 Februar 2021 05:17)

    Hannes hat auf diese CoVid-Folgekrankheit schon öfter hingewiesen, über die gestern https://kaernten.orf.at/stories/3090701/ berichtet: Kinderkrankheit Mis-C kann Covid-19 folgen.
    Die Zahlen in https://orf.at/stories/3201891/ - 536 positive Selbsttests an Schulen - sind in einem Punkt sehr überraschend: Hieß es doch, dass durch die Nasenbohrertests nur jene gefunden werden, die schon eine hohe Virenbelastung haben (und der Test deshalb so ungenau sei), zeigt sich nun, dass bei 25% der positiv Getesteten der PCR-Test danach negativ ist, also eben nicht einmal eine geringe Virenbelastung vorliegt! Dass ein Drittel der positiven Fälle Lehrer*innen sind, wo doch diese wohl nur in etwa maximal 10% der Gestesteten ausmachen, ist evt. doch auf eine nicht so konsequente Durchführung durch die Kinder zu erklären ... Da aber die Positiv-Zahlen derart niedrig sind, lässt sich wohl eh gar nichts daraus ableiten ...
    Oder ist auch das, was Niki Glattauer am Montag berichtet, weit verbreitet: https://www.heute.at/s/eltern-zwingen-kinder-zum-test-tricksen-in-der-schule-100127956 - Eltern zwingen Kinder zum Test-Tricksen in der Schule (dass sie ja nicht mit einem unerwünschten positiven Ergebnis heimkommen und das Gesundheitsamt lästig wird)

  • #4

    Hannes (Donnerstag, 18 Februar 2021 06:49)

    Anbei eine erste Auswertung der Ergebnisse:

    Von den 536 positiv Getesteten sind 364 Tests Schülerinnen und Schüler zuzordnen, der Rest sind Lehrkräfte
    Ich rechne mit folgenden Zahlen: Schülerinnen und Schüler gibt es in etwa 1,135 Mio., 1% Testverweigerer, 99% machen mit.

    Die getestete (detektierte) Prävalenz = 364 / 1123650 * 100 = 0,032%.

    Die AGES weist selbst in einer Studie darauf hin, dass die Sensitivtät der "Nasenbohrertest" sehr stark vom Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von Symptomen beeinflusst wird. Kinder und Jugendliche sind aber zumeist aysmptomatisch.
    Die AGES geht davon aus, dass bei einem ct-Wert über 25 nur jeder fünfte Infzierte und darunter nur jeder zweite entdeckt wird. Bei einer realistischen Verteilung auf die Schülerpopultation kann man davon ausgehen, dass in etwa jeder vierte Infizierte detektiert wird, wenn alles gut läuft.

    Die gewichtete geschätzte Inzidenz = 32 / 0,25 = 130

    Die AGES selbst nennt unter https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/ für die Inzidenzen der 5- bis 14-Jährigen und 15- bis 24-Jährigen Werte zwischen rd. 100 und 140.

    Diese Werte sind aber noch unterschätzt. In der Realität werden sie etwas höher liegen.

    Dies zeigt, dass die Nasenbohrertests nicht so treffsicher sind, und viele Fische durch das sehr weitmaschige Netz einfach hindurch schwimmen.

  • #5

    Karl (Donnerstag, 18 Februar 2021 12:39)

    Kann dieser Nasenbohrertest überhaupt die Mutationen erkennen? Dann ist ja eh alles für die Fisch, wenn er das nicht kann.

  • #6

    maria (Samstag, 20 Februar 2021 12:12)

    stand 20.2, starker anstieg der fälle in wien (492 fälle) und niederösterreich (491), ....das sind, wie wir alle wissen, die beiden bundesländer, wo die schulen eine woche früher wieder aufsperrten, (der handel wurde ja überall gleichzeitig aufgesperrt, wirkt sich also offenbar nicht so stark aus)...ich les und hör in den medien aber nix davon!

    wo sind unsere gewerkschafter?!? oder is euch die sicherheit in den schulen eh wurscht, hauptsache die eltern haben ruhe vor ihren kleinen?!? gibts doch nicht, ehrlich wahr!

  • #7

    Hannes (Samstag, 20 Februar 2021 19:27)

    Ad #7
    Entscheidend ist derzeit der Selbstschutz durch's Tragen einer FFP2-Maske �. Auch wenn's anstrengend ist.

    Einerseits sehen auch wir den Anstieg der Zahlen mit Sorgen und die Häufungen in Wien und Niederösterreich sind uns auch nicht entgangen, vor allem der Anstieg bei den 0 bis 9-Jährigen und die Zunahme der Mis-C Fälle gefällt uns nicht.
    Anderseits sind aber viele Eltern an ihrer Belastungsgrenze und wir sorgen und auch die Kinder leiden, wenn die Schule als sozialer Ort wegfällt.
    Wir werden die Situation weiterhin genau analysieren und uns auch kein Blatt vor dem Mund nehmen ...
    Spätestens nächste Woche wird sich ein genaueres Bild der Öffnungsschritte ergeben und dann werden wir alles intern besprechen.

  • #8

    Sabine (Sonntag, 21 Februar 2021 21:08)

    Ich glaube, ihr wurdet oben nicht angegriffen. Man hört und sieht von den schwarzen und roten Gewerkschaften nix, wollte sie vielleicht sagen. Ihr seid immer am Werkeln. Danke dafür.