ÖLI-Datenanalyse: Erschreckende Zunahme der Covid-19-Infizierten bei Kindern und Jugendlichen

COVID 19 ernst nehmen! Bildnachweis am Seitenende
COVID 19 ernst nehmen! Bildnachweis am Seitenende

Mehr als ein Viertel aller SARS-CoV-2-Infizierten kommen mittlerweile aus der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Die Anzahl der Fälle steigt rasant an.

 

von Hannes Grünbichler.

 

Im Monatsvergleich seit der Schulöffnung am 8. Februar bis zum 7. März zeigt sich ein Anstieg der 7-Tages-Inzidenz um mehr als 165 Prozent von 97,3 auf 259,4 bei den Fünf- bis Vierzehnjährigen. Unter Oberschufen-Schüler*innen stieg die Inzidenz-Rate um 80 Prozent von 138,2 auf 248,2. So die Ergebnisse der ÖLI-UG-Analyse der  SARS-CoV-2 Infiziertenzahlen laut AGES im Bereich der Kindergärten und Schulen (siehe Link 1 unten).

 

Verdopplung der Inzidenzrate in etwa 12 bis 24 Tagen.

Auch wenn sich die Infektionsdynamik etwas abgeschwächt hat, bleibt die Anzahl der Neuinfizierten bei den Kindern und Jugendlichen zu hoch: Die Verdoppelungszeit liegt in etwa bei 12 und 24 Tagen. Am 15. März wird die Inzidenz bereits über 300 liegen, genau dann, wenn Freizeitsport für Kinder und Jugendliche wieder erlaubt sein soll.

 

Das rasante Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen weist auf eine stärkere Verbreitung der SARS-CoV-2-Varianten hinweist (siehe Link 2 unten). Die britische Variante breitet sich besonders rasch unter den Fünf- bis Vierzehnjährigen und bei Oberstufenschüler*innen aus, was durch die Studien des Londoner Imperial College deutlich aufgezeigt wird (siehe Link 3 unten).

 

DIe höchsten Zunahmen sind derzeit in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Burgenland zu verzeichnen. (Zu) hohe Werte gibt es in der Steiermark, Oberösterreich und Kärnten. Vorarlberg wurde von der britischen Mutation wenig heimgesucht, in Tirol wirken die verschärften Corona-Maßnahmen.

 

Die Tageszunahme an SARS-CoV-2-Infektionen beträgt bei den Fünf- bis 14-Jährigen über den vollen Monat - vom 8.2. bis 7.3.2021 - gerechnet durchschnittlich sechs Prozent täglich und bei den Jugendlichen über 14 Jahren durchschnittlich knapp drei Prozent. Die Inzidenzen beider Altersgruppen sind in Tab. 1 zusammen­gefasst, sie zeigen dabei den Österreich-Durchschnitt.

Schulen als Multiplikatoren

Eltern stecken sich bei ihren Kindern an und tragen das Virus in hinaus in die Gesellschaft. Aus der Analyse der AGES-Daten lässt sich eine starke Korrelation zwischen dem Anstieg der Fallzahlen bei den Fünf- bis 14-Jährigen dem der 35- bis 44-Jährigen korreliert. Diese Elterngeneration weist eine Inzidenz von aktuell 221,6 auf, vierzehn Tage zuvor betrug diese noch 157,2.

 

Kinder und Jugendliche wirken für ihre ihre Familien als Multiplikator*innen in der Pandemie, wie eine neue Untersuchung der staatlichen dänischen Seuchenschutzbehörde (SSI)  nahelegt (siehe Link 4 unten)

 

Fünf Tage länger ansteckend als Original-Virus

Im Gegensatz zur Ausgangsvariante des CoV-Virus dauert eine Infektion mit der britischen Variante im Durchschnitt fünf Tage länger, etwas mehr als 13 Tage. Einige Bundesländer haben auf dieses Faktum schon reagiert und die Quarantänezeit auf 14 Tage angepasst. Die längere Ansteckungszeit macht die britische Variante ansteckender (vgl. Harvard-Studie unten - Link 5).

 

Die Infizierten haben eine längere Inkubationszeit und stecken dadurch mehr Menschen an als jene, die an der Originalvariante erkrankt sind. Und auch die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts ist erhöht, laut dänischer Seuchenschutzbehörde (SSI) um mehr als 60 Prozent erhöht (siehe Link 6 unten)

 

10 Prozent der Infizierten leiden an Long Covid-Syndrom

Britische Erfahrungen zeigen, dass viele Infizierte auch lange nach der Genesung noch Probleme haben, ein normales Leben zu führen (siehe Link 7 unten). Die Betroffenen des Phänomens, Long Covid-Syndrom genannt, finden sich auch unter Kindern und Jugendlichen.

 

FAZIT: Kein Normalzustand an den Schulen ab Ostern, Schutzmaßnahmen aufrecht erhalten!

Die ÖLI-UG befürwortet daher, die Maßnahmen an den Kindergärten und Schulen über Ostern hinaus beizubehalten und nachzuschärfen, auch wenn das Kindergarten- und Lehrpersonal dann bereits geimpft ist. Die Unabhängige Lehrer*innenvertretung hält es für nicht tragbar, das Virus in diesen Einrichtungen einfach wüten zu lassen. Kindergärten und Schule werden also nur dann wieder relativ normal ablaufen können, wenn es uns gelingt die Infektionszahlen deutlich zu drücken. Dies scheint aber nur durch einen harten drei- bis vierwöchigen Lockdown möglich. Deshalb unterstützt ÖLI-UG die #NoCovid-Initative (siehe Link 8 unten). 

 

𝗪𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝗲 𝗜𝗻𝗳𝗼𝘀:

Der effektive R-Wert (R_eff) lag in der letzten Woche bereits bei 1,12. Das neuartige Coronavirus breitet sich also aus. Der effektive Reproduktionswert bildet Trends ab und bezieht sich dabei auf ein Infektionsgeschehen, das etwas länger zurückliegt. Er schätzt, wie viel Personen ein Infizierter ansteckt.

 

Leider zeigen aber Modellstudien, dass dieser Wert meist etwas unterschätzt wird. Wenn die neuen CoV-Varianten bereits heute dominieren, wird der R-Wert bei gleichen Maßnahmen nicht mehr nur knapp über 1 sein, sondern sich immer weiter dem geschätzten Wert von R_eff = 1,4 annähern. Die Saisonalität wird diesen Wert nur um bis zu 20 % sinken lassen, also der R-Wert wird auch dann noch immer über 1 liegen, wenn es wärmer wird.

 

Links:

Link 1: AGES-Datenanalyse für die im Bildungsbereich Tätigen.

Link 2: AGES Studie: CoV 2-Varianten in Österreich

Link 3: Vorab-Studie des Londoner Imperial College

Link 4: Untersuchung der staatlichen dänischen Seuchenschutzbehörde (SSI) 

Link 5: Harvard-Studie zur Ansteckungszeit der britiscchen Mutante

Link 6: SSI - Dänemark: Mehr Krankenhausaufenthalte 

Link 7: The Guardian

Link 8: #NoCovid

 

Bildnachweis: Bild von Sear Akber auf Pixabay. Bearbeitung: PSt


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Kommentare: 19
  • #1

    Sabine (Samstag, 13 März 2021 12:36)

    Muss ich mich mit Astrazeneka impfen lassen? Was ist wenn ich das in den Osterferien verweigere? Habe einige Vorerkrankungen und deswegen große Bedenken.

  • #2

    Josef Gary Fuchsbauer (Samstag, 13 März 2021 13:43)

    NIemand MUSS sich impfen lassen. Ob allerdings Vorerkrankungen wegen der Gefahr einer CoVId-Erkrankung für oder gegen die Impfung sprechen, beurteile ich als medizinischer Laie nicht (von Fachleuten höre ich allerdings mehr Argumente fürs Impfen). Es gibt übrigens die Empfehlung der Mediziner ab 6 Stunden nach der Impfung Paracetamol zu nehmen, um die grippeartigen Symptome zu lindern:
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/121976/COVID-19-Paracetamol-Co-gegen-Impfnebenwirkungen-nicht-zu-frueh-einnehmen

  • #3

    Sabine (Samstag, 13 März 2021 17:27)

    Danke für die schnelle Antwort. Lg

  • #4

    MF (Samstag, 13 März 2021 18:01)

    Die Kurzsche Videobotschaft lässt mich erschaudern....jetzt werden v.a. die Kinder, die sich nicht selbst schützen können Freiwild für das Virus...Viele Kranke und Schlimmeres auf dem Altar der Wirtschaft dargetan.... Es muss zumindest die Präsenzpflicht weg und das rasch, damit die Eltern selbst entscheiden können ob sie dieses Risiko eingehen wollen!!!!

  • #5

    MF (Sonntag, 14 März 2021 12:38)

    Multisystem inflammatory syndrome in children (MIS-C) is a rare but serious condition associated with #COVID19. As of March 1, more than 2,500 cases & 33 deaths have been reported. The best way to prevent MIS-C is to #StopTheSpread of COVID-19. Learn more: https://bit.ly/2EUtvkR
    www.cdc.gov
    MIS-C bei Kindern ist ernstzunehmen!!!

  • #6

    Babsi (Sonntag, 14 März 2021 12:45)

    Und der Sargnagel für das Ganze sind noch die Vorgesetzten der Pflichtschullehrer. Vertuschen, nicht reagieren wenn jemand krank ist und gute Lehrer mobben, weil sie kritisch sind und sich pädagogisch was zu sagen trauen. Das ist an der Tagesordnung. Und diese Personen kommen damit durch.
    Bis der Lehrer hinschmeißt. Und das ist dann auch noch gewünscht, denn dann kann man weiterwursteln wie bisher ohne bestraft zu werden.

  • #7

    Christian C. hat mir das gesandt: (Sonntag, 14 März 2021 15:20)

    https://www.derstandard.at/story/2000124994571/umstrittene-ages-neigen-die-viren-ueberwacher-zur-verharmlosung

    Manche Aussagen widersprechen der Statistik, wie die Analyse von Erich Neuwirth ergibt: Die Zahlen stammen von der AGES selbst!

    https://just-the-covid-facts.neuwirth.priv.at/ siehe 14.3.2021

    Es gibt bereits "voll angesteckte" Familien, dh alle Personen aus drei Generationen haben Covid-19.

  • #8

    Karl (Sonntag, 14 März 2021 19:00)

    Erläuterungen wären erwünscht. Mit dem oben #8 kann ich jetzt nichts anfangen.

  • #9

    Maria (Montag, 15 März 2021 14:04)

    An unsere BMHS in NÖ wird das Thema einfach unter dem Teppich gekehrt:
    Wir LehrerInnen werden "aus Datenschutzgründen" nicht über positive Fälle unter Schülerinnen informiert (ein oder zwei in fast jeder Klasse).
    Auf Nachfragen heißt es eventuell: SchüleriIn hat "nur" einen Absonderungsbescheid - ob coronakrank will man aber nicht sagen...

    Kein Wunder, dass v.a. bei der älteren Kollegenschaft die Verunsicherung groß ist und das Mantra "Schulen sind sicher" keiner mehr glaubt, wenn schon auf Schulleitungsebene mit dem Lügen begonnen wird...

  • #10

    Sabine (Montag, 15 März 2021 18:59)

    Ich durfte auch weder betroffene Lehrer noch Eltern der Kinder informieren. Dabei gibt es einen klaren Ablauf, der einzuhalten ist. Konsequenzen für die Direktion gibt es keine. Es läuft einfach nicht so wie es menschlich gesehen laufen sollte. Wertschätzung und Achtsamkeit, Fürsorgepflicht sind Worte, die keiner mehr kennt.

  • #11

    Mario (Mittwoch, 17 März 2021 13:50)

    Haben schon dutzende Fälle an unserer großen HTL. Die Inzidenz liegt rechnerisch schon bei ein PAAR TAUSEND. Die Schulleitung putzt sich an den Magistraten / Bezirkshauptmannschaften ab und forciert Präsentunterricht.
    Die Lehrer sind dem UNGESCHÜTZT AUSGELIEFERT und hocken dann in den Osterferien in Quarantäne...

  • #12

    Markus (Mittwoch, 17 März 2021 16:58)

    An unserer Schule sollen wir auch NICHT mit Schülern oder Eltern über die zunehmenden Coronafälle sprechen "um niemanden zu beunruhigen".
    Aber die Zahlen fliegen uns in den Schulen (in Wr. Neustadt) nur so um die Ohren!

    In vielen Schulen sind 20 - 30 - 40 Coronafälle (auf 1000 Schüler) schon völlig normal. Nur durch die statistische Zurechnung zu den Herkunftsbezirken ergeben sich noch "recht gute Zahlen".

    Die LEHRER werden somit OHNE RÜCKSICHT AUF VERLUSTE bewusst oder fahrlässig (?) in diese CORONA-HOTSPOTS GESCHICKT. Es könnten sich ja Eltern wegen des Betreuungproblems aufregen...

  • #13

    Sabine (Mittwoch, 17 März 2021 18:13)

    Der Satz: Sie werden in den Ferien geimpft und damit fallen etwaige Impfnebenwirkungen in eine schulfrei Zeit und den Schülern entsteht kein unterrichtsengang( sinngemäß) hat mir wieder gezeigt wie wertvoll denen unsere Gesundheit oder wir sind. Ich war ziemlich bestürzt. Dann noch mit Astrazeneka, den die umliegenden Staaten nicht mehr haben wollen. Und immer sind alle Tests negativ.

  • #14

    MF (Mittwoch, 17 März 2021 19:17)

    Das Problem sind das BMBWF und die Bildungsdirektionen. Es bringt nichts zu diskutieren wen schützt man- SuS - Lehrer - Familien. Das geht Hand in Hand, gibt es durchdachte Konzepte so schützt das alle im Umfeld Schule. Leider fehlt Vielen Eltern das Bewußtsein, es wurde zulange behauptet Kinder seien nicht/ wenig betroffen, das stimmt mit B117 nicht mehr, nur wird es nicht in der Art kommuniziert, wie es notwendig wäre. Andererseits gibt es für Eltern, die das Ernst nehmen und sich um die Kinder sorgen keine Möglichkeit ihre Kinder zu schützen, die Präsenzpflicht besteht weiterhin und wenn man sein Kind aus der Schule nimmt, weil zuviel Infektionen in der Umgebung sind die Lehrer auch nicht begeistert, weil sie mehr Arbeit haben, weil ja Kinder im Homeschooling extra Arbeit machen. Es ist schon so das Problem sind die von oben diktierten Rahmenbedingungen

  • #15

    Sabine (Donnerstag, 18 März 2021 06:47)

    Behaltet man wirklich astrazeneka für die Lehrer auf? Es wird immer skurriler. Weinen oder Lachen? Ich frag mal Herrn Fassmann, was ich darf. Bleibt gesund.

  • #16

    Babsi (Freitag, 19 März 2021 06:25)

    Wir haben gerade das Problem, dass Eltern ihre Kinder nicht testen lassen, wenn offensichtliche Erkrankungszeichen am Nachmittag auftreten. Sie verwenden zwar zur Verfügung gestellte Schultests, die sind aber IMMER negativ. Und schwups, sitzt das halbwegs oder nicht genesene Kind mit Kopfschmerzen und Halsschmerzen wieder in der Klasse .....und schwups geht die Ansteckung weiter. Und Gott sei Dank haben sich die Eltern wieder 14 Tage Quarantäne erspart und die Befindlichkeiten des Kindes und seiner Freunde und Freundinnen in der Schule rücken wieder in den Hintergrund. Man glaubte und glaubt der Regierung zu gerne, dass Kinder nicht betroffen sind und kommuniziert das, genau wie die alle im Fernsehen, öffentlich mit hirnbefreitem Lächeln.

  • #17

    MF (Freitag, 19 März 2021 08:45)

    Auch hier ist mit dem Finger zu zeigen nicht der richtige Weg. Das Problem gibt es auch umgekehrt, Eltern lassen Kind brav zu Hause bei leichten Symptomen wie Schnupfen, und dann wird täglich nachgefragt, wann kommt es denn wieder...
    Das Grundproblem ist, dass es weder in der Schule noch im öffentlichen Raum ausreicht, sich auf (ungenaue) Tests zu verlassen, das ist aber dzt. Das politische Credo. Tests nützen wenig, wenn man nicht die Virusweitergabe prophylaktisch zu verhindern versucht, und genau das geschieht vorwiegend in den Schulen nicht. Was nützt es wenn ich einen Teil der Infektionen erkenne durch Nasebohren, aber trotzdem müssen alle im Umfeld in Quarantäne oder weden gar krank eben weil es nichts gibt in den unteren Schulstufen, was eine Weitergabe verhindern würde. Das wird uns ALLEN auf den Kopf fallen, den Kindern, Lehrern, Eltern die krank werden UND der Wirtschaft weil immer mehr Leute im arbeitsfähigen Alter in Quarantäne sind oder krank (Elterngeneration), wenn es blöd läuft fallen die wochen/monatelang aus (longcovid). Leider habe ich den Eindruck, dass diese miese Nichtstu-Taktik an Schulen der Versuch einer politisch motivierten Taktik ist eine Herdenimmunität aufzubauen, also alle im Umfeld Schule zu durchseuchen, eben weil es zu wenig bzw. für Kinder gar keinen Impfstoff gibt. Das wird noch ganz übel, für alle v.a. gesundheitlich

  • #18

    Sabine (Freitag, 19 März 2021 17:34)

    Nichtstu-Taktik ist wahrscheinlich das Wort des Jahres.

  • #19

    Markus (Sonntag, 21 März 2021 20:22)

    Die Schulen sind DER TREIBER. Immer nach 6 - 8 Wochen Schulöffnung explodieren die Zahlen. Nach 8 - 12 Wochen Ferien oder Lockdown sind sie wieder unten.
    Kein Wunder: volle Öffis, stundenlang auf 2-3 Quadratmeter pro Person beieinander, "Maskenpause" sobald sich der Lehrer umdreht, keine Luftfilter, Lehrer die in mehreren Klassen pro Tag sind, weiterhin 36er-Klassen und Gruppenzusammenlegungen wegen fehlender Werteinheiten...

    Abee wegen der "Schulen-sind-sicher"-Lügenstrategie darf der Boulevard das nicht einmal thematisieren...