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ÖLI-Newsletter-Themen: Wert der Gesundheit? ++ Tablets statt Schule mit Zukunft?

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Vorwort:

Guten Tag!

 

Die Nerven liegen blank. 14 Monate Pandemie sind 14 Monate Wechselspiel von Distance-Learning, Präsenzunterricht und Halbe-Klassen-Schichtbetrieb. Das bedeutet auch Monate der fehlenden Information, der mangelnden Transparenz, der Gewöhnung an Friday-Night-Infos und die Rückkehr des Marktschreiers: Faßmann lässt die alte Form der Verkündung - nun halt als Pressekonferenz - wieder aufleben. Leiter*innen und Lehrer*innen leiden unter den seltsamen Macken des Ministeriums und fragen berechtigterweise: Was hat die Führungsriege im Bildungsministerium gelernt, was hat sie in diesen Monaten gemacht?

 

Inhalt:

 

Den Kreidekreis-Newsletter der ÖLI-UG könnt Ihr auf dieser Seite weiterlesen oder ihn hier bestellen!

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Alexandra Berghold: Wert der Gesundheit? - Nur, wenn es populär ist!

 

Ab 17. Mai sollen alle Schüler*innen an fünf Tagen pro Woche in den Präsenzunterricht zurückkehren. Seit über einem Jahr wird im Schulwesen mit verschiedenen Formen des Unterrichtes experimentiert, um die gesundheitliche Sicherheit aller zu garantieren – um nun alle Vorsichtsmaßnahmen aufzugeben.

 

Während Maturant*innen von Seiten des Bildungsministers „asketisches Verhalten“ empfohlen wird, ist es scheinbar für alle anderen Schüler*innen an Gymnasien und anderen höheren Schulen umso wichtiger, viele Kontakte zu pflegen. Die Rückkehr in die Klassenräume in voller Klassenstärke zeitgleich mit der Rückkehr der Schüler*innen des Abschlussjahrganges anzusetzen, widerspricht zwar der Empfehlung des Verhaltens für Maturant*innen, scheint wohl aber ein logischer Schritt zu generellen Öffnungen zur selben Zeit (!) in allen (!) Bereichen zu sein.

Klar ist, der Schutz von Lehrkräften wird dabei gänzlich ignoriert. Noch lange ist eine hohe Durchimpfungsrate unter Lehrkräften, wie sie in den Medien kommuniziert wird, nicht gegeben.

Klar ist, Schüler*innen, die nun nachweislich auch gefährdet sein können, (schwer) an COVID zu erkranken, sind durchwegs nicht geimpft.

 

Klar ist, sollten Schüler*innen, die in vollen Klassenräumen keine Abstände zu anderen Kindern und Jugendlichen einhalten können, erkranken, sind auch deren Angehörige massiv gefährdet.

Klar ist auch, der Bundesregierung – und auch dem Bildungsministerium – ist dies nicht wichtig.

Mittels „sensitiverer“ Tests für die Schüler*innen der Unterstufe – also jenen Testungen, die „die Oberstufen und das Lehrpersonal von Anbeginn verwendet haben“ - und geringfügig häufigerer Testungen für alle Personen in höheren Schulen soll garantiert werden, dass sich die Krankheit trotz voller Schulhäuser nicht rasant ausbreiten kann, sodass ein „normaler“ Schulbetrieb bis zu den Sommerferien möglich sein sollte.

 

Nach über einem Jahr des Experimentierens mit Lehrkräften, Schulleitungen und auch Schüler*innen freut sich wohl eher die Minderheit der betroffenen Personen über diesen erweiterten Öffnungsschritt. Seit März letzten Jahres mussten sich all diese Gruppierungen abrupt auf verschiedene Lehr- und Lernformen - von „Distance Learning“ über Schichtbetrieb und Normalbetrieb zu „Hybrid-Unterricht“ - einstellen. Ohne Schulungen oder nähere Informationen zu erhalten, hat das Gros der Lehrkräfte und Schulleitungen ihr Bestes versucht, um trotz dieser erschwerten Bedingungen den Schüler*innen Wissen möglichst effektiv zu ver- und übermitteln.

 

Um dies jedoch zu garantieren und auch seine Mitmenschen und sich selbst zu schützen, tat man selbstverständlich sein Möglichstes, um – trotz der kurzfristigen Bekanntgabe der Minister über die Medien – all diese neuen Unterrichtsformen umzusetzen.

 

Da es aber nun wohl nicht mehr populär ist, die Gesundheit der Menschen zu schützen, sondern ihnen vielmehr alle Freiheiten gewährt werden sollen, um Wähler*innenstimmen zu (er-) halten, sind all die vorher „sorgsam durchdachten“ Schritte nun obsolet.

 

Lehrer*innen und Maturant*innen sollten jedoch dankbar sein für die Möglichkeit, im Rahmen der schriftlichen RDP erneut eine Stunde länger in einem überfüllten Raum zu sitzen, damit man auch die Möglichkeit hat, zu lüften – vor 2020 hat sich schließlich durch die Zeitknappheit niemand um Frischluft gekümmert. Bleibt zu hoffen, dass wir aus all den Umstellungen und Neuerungen gelernt haben, was wichtig ist: Dass nicht Ausdünnung der Klassen und Abstandhalten uns schützen können, sondern offene Fenster und verlängerte Prüfungszeiten.

 

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Kommentar von Sabine Helmberger: Tablets und Notebooks = Schule der Zukunft?

 

Ab 2021/22 werden 5. und 6. Klassen mit Tablets oder Notebooks ausgestattet. Hier wird hochstilisiert, was kaum einen Satz wert ist. Warum? Was ist daran auszusetzen, dass wir Tablets bekommen? Gar nichts.

 

Schulen gehören technisch und funktional ausgestattet. Punkt.

 

Den Pädagog*innen ist jegliche Möglichkeit einzuräumen, um ihren Unterricht zeitgemäß gestalten zu können. Punkt.

 

Tablets in Klassen können und werden als zusätzliche Unterstützung dazu beitragen. Punkt.

 

Aber wenn wir über Schule der Zukunft reden und wie wir Schule gestalten wollen, dann muss sich die Diskussion primär am Status quo und den Bedürfnissen der Beteiligten aktuell orientieren. Dieser ist folgender: Einhellig und seit Jahrzehnten betonen Leiter*innen, Lehrer*innen, Eltern, Schüler*innen und ihre Vertreter*innen: Es braucht mehr Personal.

Seit Jahren ist bekannt: Österreich rangiert beim Unterstützungspersonal international unter "ferner liefen". Es fehlt an Sozialarbeiter*innen, die sich den Kindern und ihrer Situation individuell widmen. Es fehlen Psycholog*innen, die Jugendliche zeitnah und professionell bei Problemen schulischer oder familiärer Natur unterstützen. Es fehlen Krankenpfleger*innen, die Teil der Schulgemeinschaft sind - und nicht einmal in der Woche für zwei Stunden.

 

Es fehlen aber auch Sekretär*innen und Verwaltungspersonal, um die überbordende Dokumentations- und Aktenarbeit zu erledigen und die Lehrer*innen für ihre Kernaufgabe freizumachen. Und vor allem fehlen Lehrer*innen, damit sie differenzierend und individuell eingehen können auf die Lernbedürfnisse ihrer Schützlinge.

 

In Zukunft reihen sich nun auch noch fehlende Informatiker*innen ein in diese Liste. Denn, so medienwirksam die Einführung der Tablets transportiert wurde, so wenig wurde darüber geredet, wer diese Flut an zusätzlichen Geräten reparieren, warten, updaten und in Stand halten soll. Die Betreuung der zusätzlichen Geräte ist eine Herkulinenaufgabe und der von der Regierung veranschlagte Betrag an Werteinheiten dafür lächerlich. Das ist kein Digitalisierungspaket für die Schule der Zukunft, das klingt nach einem lukrativen Gegengeschäft – wofür auch immer. Wer profitiert davon wirklich? Denn Schule der Zukunft sieht anders aus.

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Aus dem Rechtskundebüchlein: Vorqualifikation für zukünftige Schulleitungen

Katharina Bachmann

 

Neben der fachlichen und pädagogischen Eignung und einer mindestens fünfjährigen Berufserfahrung als Lehrperson ist ab dem 1.1.2023 die erfolgreiche Absolvierung des ersten Teils des Hochschullehrgangs „Schulen professionell führen“ im Umfang von 20 ECTS erforderlich, wenn man sich um eine Leitungsfunktion bewerben möchte.

 

Ohne diese Vorqualifikation ist eine Bewerbung ab 2023 nicht mehr möglich. Entsprechende Lehrgänge werden an allen pädagogischen Hochschulen angeboten. Jede*r an einer Leitungsfunktion Interessierte kann teilnehmen. Voraussetzungen sind lediglich ein aktives Dienstverhältnis, eine dreijährige Berufserfahrung als Lehrer*in und ein Motivationsschreiben.

In manchen Bundesländern ist der Andrang so groß, dass die Lehrgänge sehr schnell ausgebucht sind. Zudem scheinen nicht alle Lehrer*innen gleich gut informiert zu sein, da mancherorts die Schulleitungen die Informationen über diese Lehrgänge recht selektiv und nur an die von ihnen präferierten „Nachfolger*innen“ weitergeben.

Wir geben diese Information gezielt weiter und streuen sie breit

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Themen, Tipps, Termine

Gerhard Pušnik

 

Der neue Kreidekreis

ist im Druck und braucht noch ein paar Tage, bis die halbstaatliche Post die frischen Exemplare auch in die abgelegenen Bergschulen liefert. Für die Ungeduldigen steht der Kreidekreis hier schon einmal zum Download bereit.

 

Volles Haus

Viele Kolleg*innen sind besorgt wegen der Aussichtslosigkeit, die AHA-L Hygieneregeln (Abstand, Händewaschen, Alltags-FFP2-Maske, Lüften) bei der Matura einzuhalten. ÖLI-Mandatar*innen wenden sich mit diesem Schreiben direkt an den Bildungsminister.

 

Petition I

eine Initiative aus "66 Eltern, Großeltern, Lehrer:innen und Mediziner:innen, die eine wissenschaftlich basierte Vorgehensweise beim Infektionsschutz für Schulen und Kindergärten fordern" hat eine Unterschriftenaktion gegen die Sorglosigkeit der Bundesregierung gestartet. Hier kann sie unterstützt werden.

 

Petition II

Musik braucht eine Stimme, das ist eigentlich allen klar, nur nicht den Verantwortlichen im Bildungsministerium, die einmal SQA, QIBB und aktuell eben QMS - also viel- bzw. nichtssagende Kürzel - erfinden, statt Qualitätsentwicklung zu betreiben. Fachkompetenz wird aus den Bildungsdirektionen verbannt und stattdessen Mittelmaß implementiert. Petition II richtet sich gegen die Abschaffung von Fachinspektor*innen und kann hier unterstützt werden.

 

Offene Frage

Im letzten Newsletter haben wir den Obmann der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG), Gerhard Rüdisser, mit der Frage: "Wo bleibt die Bildungsmilliarde" zitiert: „Wir brauchen sichere Schulen, kleinere Klassen und mehr Unterstützungspersonal, damit Lernen in der Schule wieder möglich wird, doch davon hören wir nichts aus Regierungskreisen“ und haben immer noch keine Antwort erhalten. Wir stellen die Frage also nochmals: Wo bleibt die Bildungsmilliarde?

 

MIKA-D (Vortrag)

und die Deutschförderklassen sind Thema beim Vortrag von Hannes Schweiger (Vorstand der ÖdaF) am 20.5. von 14:00 - 16:00 Uhr und der anschließenden Diskussion. Anmeldung bitte bis 19.05. hier.

 

Digitalisierung (Vortrag)

Am 01. Juni 2021 um 19:30 Uhr findet ein Online-Vortrag mit anschließender Diskussion zur Bedeutung der Digitalisierung für Unterricht und Schule mit Prof. Dr. Jochen Krautz von der Bergischen Universität Wuppertal statt. Um Anmeldung wird gebeten.

 

ÖLI-Café

Am 17. Juni 2021 um 19:30 Uhr findet das nächste und in diesem Schuljahr letzte ÖLI-UBG-Café statt. Online. Das ist Resilienz at its best, die ÖLI-Variante, um sich als Lehrer*innenvertreter*in auch in rauen Zeiten zu stärken. Also: hier anmelden.

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Was läuft gut, was läuft schief?

Ob Hinweise, Anregungen, Kritik oder Fragen: eure Rückmeldungen sind uns wichtig. Wir greifen sie auf, wir nehmen sie ernst. Einfach per Retourmail.

Wir wünschen eine angenehme Woche.

 

 

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