Kommentar: Wert der Gesundheit? - Nur, wenn es populär ist

Frau mit Maske
Frau mit Maske. Bild von Marek Studzinski auf Pixabay.com

Seit 17. Mai sind alle Schüler*innen an fünf Tagen pro Woche in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Seit über einem Jahr wird im Schulwesen mit verschiedenen Formen des Unterrichtes experimentiert, um die gesundheitliche Sicherheit aller zu garantieren – um nun alle Vorsichtsmaßnahmen aufzugeben.

 

Kommentar von Alexandra Berghold

 

Während Maturant*innen von Seiten des Bildungsministers „asketisches Verhalten“ empfohlen wird, ist es scheinbar für alle anderen Schüler*innen an Gymnasien und anderen höheren Schulen umso wichtiger, viele Kontakte zu pflegen. Die Rückkehr in die Klassenräume in voller Klassenstärke zeitgleich mit der Rückkehr der Schüler*innen des Abschlussjahrganges anzusetzen, widerspricht zwar der Empfehlung des Verhaltens für Maturant*innen, scheint wohl aber ein logischer Schritt zu generellen Öffnungen zur selben Zeit (!) in allen (!) Bereichen zu sein.

 

Klar ist, der Schutz von Lehrkräften wird dabei gänzlich ignoriert. Noch lange ist eine hohe Durchimpfungsrate unter Lehrkräften, wie sie in den Medien kommuniziert wird, nicht gegeben.

 

Klar ist, Schüler*innen, die nun nachweislich auch gefährdet sein können, (schwer) an COVID zu erkranken, sind durchwegs nicht geimpft.

 

Klar ist, sollten Schüler*innen, die in vollen Klassenräumen keine Abstände zu anderen Kindern und Jugendlichen einhalten können, erkranken, sind auch deren Angehörige massiv gefährdet.

 

Klar ist auch, der Bundesregierung – und auch dem Bildungsministerium – ist dies nicht wichtig.

 

Mittels „sensitiverer“ Tests für die Schüler*innen der Unterstufe – also jenen Testungen, die „die Oberstufen und das Lehrpersonal von Anbeginn verwendet haben“ - und geringfügig häufigerer Testungen für alle Personen in höheren Schulen soll garantiert werden, dass sich die Krankheit trotz voller Schulhäuser nicht rasant ausbreiten kann, sodass ein „normaler“ Schulbetrieb bis zu den Sommerferien möglich sein sollte.

 

Nach über einem Jahr des Experimentierens mit Lehrkräften, Schulleitungen und auch Schüler*innen freut sich wohl eher die Minderheit der betroffenen Personen über diesen erweiterten Öffnungsschritt. Seit März letzten Jahres mussten sich all diese Gruppierungen abrupt auf verschiedene Lehr- und Lernformen - von „Distance Learning“ über Schichtbetrieb und Normalbetrieb zu „Hybrid-Unterricht“ - einstellen. Ohne Schulungen oder nähere Informationen zu erhalten, hat das Gros der Lehrkräfte und Schulleitungen ihr Bestes versucht, um trotz dieser erschwerten Bedingungen den Schüler*innen Wissen möglichst effektiv zu ver- und übermitteln.

 

Um dies jedoch zu garantieren und auch seine Mitmenschen und sich selbst zu schützen, tat man selbstverständlich sein Möglichstes, um – trotz der kurzfristigen Bekanntgabe der Minister über die Medien – all diese neuen Unterrichtsformen umzusetzen.

 

Da es aber nun wohl nicht mehr populär ist, die Gesundheit der Menschen zu schützen, sondern ihnen vielmehr alle Freiheiten gewährt werden sollen, um Wähler*innenstimmen zu (er-) halten, sind all die vorher „sorgsam durchdachten“ Schritte nun obsolet.

 

Lehrer*innen und Maturant*innen sollten jedoch dankbar sein für die Möglichkeit, im Rahmen der schriftlichen RDP erneut eine Stunde länger in einem überfüllten Raum zu sitzen, damit man auch die Möglichkeit hat, zu lüften – vor 2020 hat sich schließlich durch die Zeitknappheit niemand um Frischluft gekümmert. Bleibt zu hoffen, dass wir aus all den Umstellungen und Neuerungen gelernt haben, was wichtig ist: Dass nicht Ausdünnung der Klassen und Abstandhalten uns schützen können, sondern offene Fenster und verlängerte Prüfungszeiten.

 

 Der Kommentar von Alexandra Berghold erschien zuerst im Kreidekreis-Newsletter der ÖLI-UG.

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